Nun stand ich in der Werkstatt an jener Stelle, wo ehedem die Pietà stand. Und drüben war eine Tür … Mir war’s, als töne es hinter jener Tür: »Komm, Gitti!« Und da klopfte ich leise. »Ja,« klang es von drinnen, »ja

Ich ging hinein.

Oh, ich weiß es, daß ich erschrak. Und doch war meine Liebe so unsäglich groß. Ich hätte alles Leuchten der Welt haben mögen, um es in meine Augen zu legen. Aber sie brannten nur wie Feuer, und da weinte ich, um das Feuer zu löschen. Und stürzte hin an sein Lager, auf beide Knie ließ ich mich nieder vor ihm und umschlang ihn: »Ritter Lage, wie hab’ ich mich nach Dir gesehnt!«

Sein tiefes, schönes Lachen klang. Dem hatte der tückische Feind nichts anhaben können. »Sie ist dieselbe noch! Gott Lob und Dank. Es fehlt nur der rote Regenschirm.«

Und dann mit tiefem Ernst und hinreißender Zärtlichkeit: »Du Ewig-Geliebte! Du bist bei mir! Gitti! Mein Licht!«

Ich kniete näher zu ihm heran und richtete mich auf. Und sah sein völlig entfärbtes Gesicht mit den scharfen Falten, welche die Krankheit gegraben, die erschreckende Hagerkeit, die wachsgelben Hände, die tief liegenden Augen, die blasse, hohe Stirn. Und ich küßte ihn innig, da er es nicht zu wagen schien.

»Wer ist draußen?« fragte er endlich leise. »Leo? Und der Junge? Laß sie noch eine Weile warten. Mir ist jetzt, als hätte ich doch nur dich sehen wollen. – Aber nein, – es ist ja richtig. Wir haben viel zu sprechen über Clemens-Hartmut. – Der Arzt hat mich gehörig präpariert, damit mich die Schmerzen nicht heimsuchen, solange du hier bist. Aber sie kommen oft plötzlich und verspotten uns. Rufe den Jungen, Gitti!«

Clemens-Hartmut kam. Und er sah meine brennenden Tränen und mein tiefes Leid.

»Weine doch nicht, Gittimuhm,« rief seine weiche, gute Stimme, »ich habe dich noch nie weinen sehen.« Und sich zu Ritter Lage wendend, legte er seine warme, feine Kinderhand auf die des Kranken. »Ich werde bestimmt Arzt,« meinte er beruhigend, »es dauert nicht mehr lange, dann sind Sie gesund.«

Ritter Lage lächelte. »Das hoffe ich«, sagte er bedeutungsvoll. »Und nun laß dich einmal recht betrachten, Clemens-Hartmut.«