Herrgott, hab’ Dank! Von dir gesandt,

Nehm’ ich’s geweiht aus deiner Hand,

Und über aller Zweifel Meer holt mich der Ferge.

Ein Tannenbäumchen steht vor mir mit einem Wachslicht.

In acht Tagen, wenn ich die zweite Kerze aufstecke, dann zündet auch der Küster nebenan in der alten Kirche die zwei hohen Lichte an, und ich werde dem Ritter Lage angetraut. Alle, denen wir unser Verlöbnis mitgeteilt haben, sahen mich lieb und seltsam an. Und ich kann diese Blicke nur mit Erstaunen sehen. – Wenn sie mir alle voll Neid begegneten, so würde ich sie verstehen; ihr Mitleid aber muß ich zurückweisen. Keiner sieht in mein Herz, keiner weiß, wie es darinnen ausschaut. Nur Gott und ich.

Liebe, Leid und Dank wohnen darin. –

Der andern Blick erfaßt nur den gebeugten, kranken Menschen, der ein junges, kraftvolles Weib freien will. – Ich sehe in ihm den großen Künstler, der eine Pietà schuf, den rastlosen Arbeiter, als der er mir von Leo ter Mählen geschildert wurde, den großzügigen Gutsherrn, der auch nicht einen seiner Insten vergißt, sondern ihnen der Helfer schlechthin bedeutet. Ich sehe ihn somit in vielerlei Gestalt, und in jeder einzelnen groß und bedeutend, immer imstande, mich zu lehren.

Die großen Schlagetots ringsum, die ich kennenlernte, sie haben alle nicht die feine Seele meines Ritter Lage. Wenn er diese auch oft unter messerscharfem Spott verbirgt.

Am herbsten verspottet er ja sich selbst, seine Flügellahmheit, sein Gebundensein an den forthelfenden Stock. –

Wenn ich diesen Spott aus seiner Seele nehmen, wenn ich selbst sein Stab sein könnte durch Jahrzehnte hindurch!