So habe ich den beiden verschiedene Arbeitsfelder zugewiesen; Maria hat für die Vormittage einen Kindergarten übernommen und besucht und sammelt am Nachmittage die Lahmen und Siechen, bis das Haus auf der sonnigen Wiese fertig sein wird, das beide Trüppchen aufnehmen soll. »Im Auftrage des Ritter Lage« erschien ein Architekt bei mir, der mir Baupläne unterbreitete, zu denen ich nur freudig ja und amen sagen konnte. Es wird ein reizendes Haus. Einstöckig, langgestreckt. Mit zwei gleichen, hochgewölbten Eingangspforten, über denen je ein Spruch gemeißelt wird. Für die Siechen: »Auf, nimm dein Bett und wandle!« Und für die Kleinen: »Lasset die Kindlein zu mir kommen!«

Zwei helle große Dielen enthält das Haus, darinnen die Siechen rasten und die Kindlein rennen sollen, wenn schlechtes Wetter den Aufenthalt im Garten und Wald verbietet; hohe, luftige, helle Zimmer bergen die Betten und Möbel. Auch einen Andachtsraum mit einem schönen Harmonium sollen meine Pflegebefohlenen haben, der wird das Schönste im ganzen Hause werden. Denn ora steht vor labora. –

Die leichtherzige, fröhliche, leichtlebige, leichtsinnige Gese Tönnings habe ich für Haus Lage verpflichtet. Sie versteht sich gut mit meiner alten Eva. Ob diese ihr gute Lehren gibt, die von Gese angenommen werden, oder ob sich Eva aller Einmischung enthält und Geses Tüchtigkeit als Kinderpflegerin anerkennt, entzieht sich meiner Beurteilung. Die beiden arbeiten jedenfalls Hand in Hand, und Klein Erika gedeiht.

Auch der junge Förster Nordstamm erwacht langsam wieder zum Leben und besucht das Kind hie und da. Im Gegensatz dazu hat sich der Großvater Nordstamm grollend zurückgezogen und wirkt mehr und mehr wie ein knorriger Eichbaum, den man nächstens in den Märchenwald verpflanzen kann. Wunderliche Lebewesen hat unser Herrgott um mich herumgestellt, aber ich habe sie alle liebgewonnen, weil sie mir soviel geben. Oder weil ich ihnen soviel geben darf? Ich fühle eine Quelle in mir, die immer stärker strömt, je mehr man davon trinkt. »Solch Spendegold erschöpft sich nicht.«

Mein neuer Bechsteinflügel ist angekommen. Es ist das einzige, von dem ich fühle, daß ich es außer der Arbeit haben muß.

Mit Beethoven habe ich das köstliche Instrument eingeweiht. Die Fenster hatte ich weit geöffnet, und in die stille Mondnacht hinein klang und sang das Adagio aus der 2. Symphonie.

»Still sank der Abendsonne Gold

Hinunter an des Himmels Zelt.