»Üble Sachen?« stotterte er. »Da verstehe ich dich nun nicht, liebe Nichte. Die Dame ist meine Braut.«
»Die Braut eines Freiherrn von Lage wird immer von irgendeinem Anverwandten in das Haus ihres zukünftigen Gatten gebracht«, sagte ich eisig. »Du wirst die Person sofort veranlassen, Haus Lage zu meiden, oder du selbst verläßt dieses Dach.«
Er sträubte und wand sich und knurrte verschiedenes, aber mein Finger zeigte gebieterisch nach der Halle, und da fügte er sich endlich. Ich hörte einen sehr erregten Wortwechsel, und dann steckte Ohm Matthias noch einmal seinen Kopf zur Tür herein. »Hast du Geld, Nichte Brigitte?« fragte er kläglich. »Ich kann doch das Mädchen unmöglich ohne einen Pfennig fortschicken.« Ich entnahm einen Schein aus meiner Tasche, und Ohm Matthias nickte beifällig. »Du bist nobel, Nichte Brigitte, – von mir hätte sie nicht soviel bekommen.« Damit lief dieser lächerliche Lage mit raschen, schnellen Schrittchen hinaus und nahm draußen mit glucksendem Lachen wortreichen Abschied. Dann sah ich die widerliche Person über den Rasen nach dem Dorfe schreiten. Ein grobes Scherzwort rief sie noch einem vorübergehenden Knechte zu, seine Antwort verschlang das wütende Bellen des Hofhundes, und dann trat Stille ein. –
Der Schmutz des Alltags hatte mich gestreift, aber inmitten meines grauen Alltags brennt ein Sonntagslicht, das ist nimmer auszulöschen. –
Später.
Wie um die Wahrheit des letzten Wortes zu bekräftigen, halte ich ein gelbes Büttenpapier in der Hand. Wunderlich ist mir zu Sinn, nachdem ich es gelesen. Wo weilt der Schreiber? Warum kommt er nicht zu mir? Er muß in meiner Nähe sein, sonst würde ja das Geschehen in meinem Hause nicht zu seiner Kenntnis gelangen. – Wie alles auch zusammenhängen möge, er hat mich trösten wollen! –
Ritter Lage schreibt:
»Ohm Matthias hat endgültig Ihr Haus verlassen, Regenschirmbase, und ist auf dem Wege nach Holland. Dies Holland aber liegt weiter als der Tempel und die Clemenskapelle, und so wird er Ihren Weg nicht wieder kreuzen. Gitti …!«
Weiter nichts.
Was hinter dem Ausruf steht, wie ich mir die kleinen Punkte übersetzen soll, ich weiß es nicht. Ohm Matthias ist tatsächlich fort, Eva hat das Zimmer mit einem Lächeln tiefer, innerlicher Befriedigung ausgeräumt und mit andern Möbeln instand gesetzt. So, als wollte sie dieses Kapitel als gänzlich abgeschlossen betrachtet wissen. Wie gern füge ich mich hierin. Und als Tante Fernande mir weinend, mit immer wiederkehrendem, ungezähltem Gottseidank um den Hals fiel, da spürte ich, wie recht Ritter Lage gehandelt hatte. –