Da löste ich meine Füße von der Stelle, wo ich stand. Und sah ihn an, der mich fortwies. Und schritt zum Tisch und mußte mich an diesen klammern, weil sich der Raum rings um mich drehte. Muß wohl sehr weiß und krank ausgesehen haben, denn Ritter Lage stand plötzlich neben mir. Aufrecht, nur leicht auf den Stock gestützt. Den linken Arm legte er um mich. Tief und gut sah er mir in die Augen. »Was bin ich für ein Barbar! Darf ich verlangen, daß dies kleine Mädchen stärker sei als ich? Soll ich dich küssen, Gitti? Darf ich? Wirst du dann wieder mein tapferes Lieb? Wirst du dann wieder rote Wangen haben und strahlende Augen? Darf ich dir zeigen, wie unsäglich lieb ich dich habe? Und daß du dich doch nicht zu fürchten brauchst vor dem bösen Zornebock? Hast du Vertrauen zu mir?«

Ich nickte stumm.

Da nahm er mich an sein Herz. Ritter Lage lehrte mich den ersten Kuß. – Sonne war ringsum. Sonne. Ich lebte, ich ward. Ich ward gut und fromm. Und erhielt die Kraft, einen Schattenweg zu durchwandern durch Kälte, Einsamkeit und Not. –

Wir standen Hand in Hand und Mund an Mund.

Lange, lange.

Die Uhr auf dem Simse tickte.

Die Buchenscheite loderten und fielen zusammen.

Baumzweige, schwer von der Schneelast, schüttelten sich im Wind an den Fenstern.

Nur vier Worte fielen: »Du Scheue, meine Königin!«