»Welches Wetter ist über Sie gegangen, Freiin Brigitte?« fragte er heiser vor Erregung.

»Nur ein Wirbelsturm, Baron Leo«, entgegnete ich matt.

»Und ich darf nicht wissen, von wannen er kam?«

»Nein.«

Er saß nun eine ganze Weile schweigend neben mir. Und dann kam etwas sehr Verwunderliches. Er erzählte mir, daß er eine große Reise nach dem Süden vorhabe und – und – nun er mich so ganz zerbrochen da vor sich sähe, – so krank …

»Ich bin weder zerbrochen, noch krank«, wehrte ich entrüstet.

»Also so stark und lebensbejahend und gesund,« verbesserte er sich rasch und leicht gereizt, – – »so meine ich, eine große, anstrengende Reise ist für Sie ein Kinderspiel, Brigitte. Daß Sie mir das Teuerste sind, wissen Sie, und – ich bitte Sie inständig aus ehrlichem Herzen heraus, seien Sie mein, gehen Sie mit mir! Gewiß, ich bin ein alter Mann gegen Sie, fünfundfünfzig vorbei, – aber ich will Sie auf Händen tragen, will Sie vor jeder Unbill schützen, – – –«

Einen Augenblick war’s mir, als müßte ich meine eiskalte Hand in die seine legen. Mich fror so erbärmlich. So sehr sehnte ich mich nach Schutz und Wärme. Aber als ich in seinen Augen eine verlangende Zärtlichkeit las, da erschrak ich bis ins Herz hinein und bin wohl furchtsam in mich zusammengekrochen, denn er stand langsam auf, strich sacht über mein Haar und sagte müde: »Ich gehe schon, Freiin Brigitte. Aber, – darf der alte Mann nach seiner Reise – recht verständig geworden, wiederkommen? Mit Ihnen würde ja alles Licht aus meinem Leben gehen, das möcht’ ich mir nicht leichtsinnig verscherzen.«

»Ja, kommen Sie«, rief ich. Und ich hielt einen Augenblick seine verläßliche warme Hand fest, denn mir brannte die Frage auf der Seele: »Glaubst du, daß dein liebster Freund, der Ritter Lage, etwas Niedriges tun kann? Etwas ganz Unverzeihliches? Etwas, das ihn weltenweit mir entfremdet, der er das Liebste war?« Aber ich vermochte die Frage nicht zu formen …

Baron Leo sah mich kopfschüttelnd an, und mit ernstem Antlitz war er gegangen. –