Drinnen zu Grab meine Liebe läutet Gevatter Tod.
»Vogel über der Heide,
Der klagend die Heimat mied,
Ich glaube, wir beide, wir beide
Haben dasselbe Lied –«
Dies alles ist heute ein Vierteljahr her. Dreizehn Wochen.
Dreizehn soll ein böse Zahl sein.
Aber ich habe sie doch überstanden.
Ich lebe, ich kann stehen und gehen und ja und nein sagen und »Händchen geben«, und sogar hintereinander fort plaudern, wie eine sehr gut aufgezogene Puppe, mit der man aber nur Sonntags spielen darf.
Sogar das Denken hat mir der Arzt schon wieder erlaubt, aber ich mache noch nicht allzuviel Gebrauch davon. Vorhin hielt mir Eva zum erstenmal einen Spiegel vor, ich schaute lange verwundert hinein, ehe ich begriff, daß das wunderliche Geschöpf mit den hageren Wangen, dem ungeschickt kurz abgeschnittenen Ringelhaar und den großen dunkel umränderten Augen die Brigitte sein sollte. Nicht Gitti, nein, – Gitti ist am Typhus gestorben. Es lebt nur Brigitte Lage, d. h. sie vegetiert, wie Baron Leo behauptet. Als der mich das erstemal nach meiner überstandenen Krankheit sah, erschrak er so heftig, daß ich lächeln mußte. Gewiß ein trauriges Lächeln. –