»Nein! Hierher soll der Mann kommen und dich und sein Kind holen. Ich will’s. Und ich rede im Namen der Sippe, der toten wie der lebendigen. Kann der Schuldige euch beide ernähren, so folgt ihr ihm nach Hamburg. Kann er’s nicht, so wird euch dreien der Mutterhof das Brot geben … den Namen will ich, Melenke!!! …«
Tiefes Schweigen.
»Mußt du dich seiner schämen?« fragte leise die Ahne. »Warst du so von Gott verlassen? Melenke hör’ zu! Hab’ keine Furcht! Vielleicht denkst du, die Sippe wird herabschauen auf ihn … Melenke, ich, die Ahne, werd’s nicht leiden. Hörst du mich? Sieh mich an. Sie sollen ihn und dich achten ich, ich – die Ahne, befehl es ihnen. Nur mach’ dich ehrlich! Den Namen – Melenke, sprich den Namen!«
Die dürren, runzligen Hände streckten sich flehend der Jungen entgegen, heiser und schrill, wie zerbrochen klang die Stimme der Ahne. Fliegende Hitze jagte über Melenkes Gesicht. Sie wollte die alte Hand fortschütteln, die sich um ihren Arm krampfte.
»Laß mich, Ahne …«
»Den Namen … Melenke!«
Mit einem Ruck riß sich das Mädchen los und sprang auf. »Ich weiß ihn nicht!«
Da veränderte sich jäh das Antlitz der Ahne, und Melenke schrie laut auf vor Angst, als sie in die verfallenen Züge sah.
»Du weißt ihn nicht???«
»Nein!!! Hab’ ihn nie gewußt … War nicht neugierig in jener lustigen Stunde … Das Lachen wollt ich lernen, das man mir im Mutterhof verbot …«