»Melenke …« sagte heiser die Ahne. »Wer sein Kind nicht an die Brust nimmt und mit eigenem Herzblut nährt, der ist schlecht. Und eine Sünde ist’s wider Natur und Gottsgebot. Lieber wollt’ ich, ich wär’ vorher taub geworden, damit ich solche Red’, wie deine vorhin, nicht verstanden hätte – – Bist du denn auch eine Mutter?«
»Leider Gotts, ja.«
»Versündige dich nicht! Mutterschaft ist heilig. Du bleibst bei deinem Kind. Der Hof trägt’s. Jetzt gibst du erst einmal dir selbst einen Beschützer, deinem Kind den Vater. Dein Bruder Edlef wird den Mann dann empfangen, und soll kein unrechtes Wort weiter fallen über deinen Fehltritt. Büßt es gemeinsam ab, und bringt euch selbst wieder zu Ehren …«
»Ich weiß nicht, was die Ahne will …« sagte Melenke unbehaglich.
»Glaub’s schon, daß du schwerere Strafe erwartet hattest, als das Ja und Amen deiner Sippe.« Wieder zuckte der Ahne Blick scharf nach dem Mädchen hin. »Wir tun’s auch nicht um deinetwillen, sondern um Mutterhofs Ehre und Ansehen.«
Melenke schwieg.
Die Ahne erhob sich. »So schreib jetzt das Nötige auf, der Edlef wird den Brief selbst nach Hamburg bringen. Dank es recht deinem ältesten Bruder, es ist ein schwerer Weg. –«
»Ich verlang ihn nicht von ihm.«
»Melenke!!!«
Düster brannten die Augen des Mädchens in dem blassen Gesicht: »Laßt mich wieder nach Hamburg!« stieß sie hervor.