Gut stimmt die trübe Melodei zu meinem eigenen Empfinden. Irgendwo in Herzenstiefen schlummert die Frohnatur von Manne Wögens, aber niemand weckt sie auf.
Nicht einmal die Schulkinder, diese täglichen, hellen Mahner: »Und abermals freuet euch!«
Wie ist die Lücke so unnatürlich weit und groß, welche der Heimgang der Ahne in mein Leben gerissen.
Kaum um ein junges Weib, das mir Herz und alle Sinne füllte, könnte ich so trauern, wie um die fast Neunzigjährige.
Ohm Rickert sagt: »Wie die Hühner ohne Kopf torkeln wir umher.«
Dabei war er der allzeit Unbotmäßige, der sich einweg mit der Ahne gestritten hat. Und er setzt verdrossen hinzu: »Es ist auch gut, daß ich keinen Kopf mehr habe, denn es ist nüms da, der ihn waschen könnte.«
Die Kopfwäsche fehlt mir nicht, denn die Ahne war trotz ihres überragenden Alters von einer rührenden Ehrerbietung gegen mich. Aber ihr scharfer Spott geht mir ab, ihr schlagender Witz, ihr trockener Humor, ihre gute, kräftige Sprache. Die Hallig ist verwaist, ihre Mutter ist heimgegangen. Und ich, der ich meinte, die Ahne am besten zu kennen, war auch nur ein Stümper in der Seelenkunde. Glaubte allstunds, die alte, herbe Frau habe den Stolz an die oberste Stelle gesetzt …
Und es ist doch die Liebe gewesen. Wunderliche, verleugnete Liebe. Aber doch »die Größeste«. –
Edlef hat mir erzählt, was man erlauscht.
Wilde, wehe Rufe und Bitten: »Den Namen! Sprich den Namen! Melenke.«