Und da die Ahne gewahrte, daß ihr bluteigen Enkelkind aus schnöder, gacher Lust gefehlt, und keine sühnende Liebe herbeizurufen war, da hat diese Erkenntnis das alte, stolze Herz gebrochen. – Gott schenke ihr fröhliche Urständ!
Ahne, liebe Ahne, der junge Schulmeister trauert bitter um dich. – – –
Als wir sie auf dem Gottesacker betten wollten, fragte Pastor Licht nach letztwilligen Verfügungen.
Die schienen zu fehlen, aber dann fanden wir eine Eintragung im »Zeitbuch« der Ahne.
Sie ist an jenem Abend geschrieben, da Melenke Holgers die Schande auf den Mutterhof brachte.
»… und so bitte ich inständig den Pastoren mir wieder die Hand zu reichen. Und wann mein letztes Stündlein sollt kommen, so will ich in Frieden und Demut neben Peder Claußen ruhen …«
Als Pastor Licht das gelesen, sind ihm die hellen Tränen aus den Augen geronnen, und er hat sich ihrer nicht geschämt. Ja, die Ahne, die Ahne …
Mein alter, wunderlicher Knecht erzählte mir, daß er den schwarzen »Sterbevogel« mit dem weißen Kranz um den Hals hätte fliegen sehen. Erst um den Glockenturm herum, dann dem Mutterhof entgegen … Darauf sei die Kunde von dem Ableben der Ahne gekommen. Halligaberglauben. Man möchte gern daran rütteln, aber man muß fein Obacht geben, daß kein gutes Vertrauen dabei abbröckelt. Eine zweite Verfügung hinterließ noch die Ahne: »Bringt mich nach altem Halligbrauch unter die Erde, aber die ›Sörgewüffe‹[7] lasset fort, auf daß die Parentation nicht gestöret werde.«
[7] Klageweiber.
Vier alte Halligfrauen haben der lieben Toten die üblichen schwarzen Trauerkleider angelegt, haben sie im Pesel auf den Tisch gebettet, auf welchem mit einer Decke belegtes Stroh geschichtet war. – Dort ruhte die Greisin bis zur Sarglegung. Fürsorgliche Ahne! Du hattest dein letztes Bettlein schon seit zehn Jahren auf dem Boden stehen …