Treulich haben wir an jedem Tage, da die Leiche noch über der Erde stand, eine halbe Stunde die Totenglocke geläutet und am Beerdigungstage mit dreimaligem viertelstündigem Läuten die Totenklage beendet. Mit Edlef Holgers zusammen hielt ich die Leichenwacht. Zwei brennende Kerzen warfen ihr stilles Licht über die Schläferin. Am dritten Tage banden wir den Sarg mit starken Kabeltauen an zwei langen Stöcken fest. Breiteten das weiße Leichentuch über ihn und trugen ihn fort.

Vor jeder Warf ließ ich die Schulkinder eine Strophe singen, es hallte ernst und schön über die stille Hallig hin. Auf dem Gottesacker wurde der Sarg von den Stöcken gelöst und auf die Bahre gesetzt. Dann trugen wir ihn ein paarmal um die Kirche herum.

Gute Ahne, du warst es uns wert, daß wir die uralten Gebräuche heilig hielten.

Jetzt ruht schon unter Glas und Rahmen ein Spruch auf dem Grabe, das ich mit eigener Hand dicht mit Muscheln belegte und mit Bonnestave besteckte. Den Spruch tragen alle Müttergräber des Mutterhofes von Urbeginn:

»Weiber, so da Kinder zeugen

Und dabei im Glauben stehn,

Die hat Jesus ihm zu eigen

Selbsten ewig ausersehn.

Dies lindert mir mein Schmerz.

Ruh weyland sehr geliebtes Herz! –«