Als wir den Sarg in seine letzte Stätte hinabließen, raunte mir mein alter Knecht zu: »Dat is noch ni to Enn, dor kümmt noch wat nah.« Und er zeigte auf die Seile, die sich untereinander »verkrüngelt und vertüdert« hatten.
Unwillig wies ich ihn ab.
Aber auch dieser Halligaberglauben wird sich nicht ausrotten lassen, sondern sich forterben von Geschlecht zu Geschlecht.
Und jeder der älteren Halligleute ist fest davon überzeugt, daß die »verkrüngelten und vertüderten« Sargseile den Tod der jungen Melenke vorhergesagt haben …
Nach der Beisetzung der Ahne schritten wir erst alle ins Gotteshaus, um die Wachskerze für die Heimgegangene auf den Altar zu stiften. Dort soll sie am Geburtstage und zu hohen kirchlichen Festen ihr zum Gedenken angezündet werden. Als wir zum schlichten Totenmahl in den Mutterhof gingen, hörten wir durch die geschlossenen Fenster hindurch das laute, fieberirre Reden und Klagen der totkranken Melenke. Nur flüchtig sah ich Schwester Maren. Die hatte Tag und Nacht bei der Kranken gewacht, wie wir bei der Toten. Aber ich erschrak doch vor dem Schmerzenszug in ihrem Gesicht …
Schwager Edlef Holgers, wann wirst du deinem jungen Weibe die Dornenkrone wieder abnehmen? Willst du mit Gott rechten? Ist dir der Reichtum nicht genug, der im Herzen eines reinen Weibes ruht? Schwer hast du mich enttäuscht, den ich meinen liebsten Freund nannte. Vergiß nicht, daß du geschworen hast, Edlef Holgers! Du hast vor Zeugen gerufen: »Ich will sie glücklich machen, so wahr mir Gott helfe!«
Neben die Großmutter betteten wir die Enkelin.
Zwei Eisenköpfe will der Tod zu Staub werden lassen.
Der dritte Eisenkopf, die Nomine, ließ sich nicht blicken. Dessen Hirn trieb just Blütlein zur Freude der Examinatoren.