Nomine Holgers hat am Begräbnistage der Ahne ihr Doktorexamen bestanden.
Sie promovierte in Kiel und überließ es uns, die treue Ahne, diese Wertvollste der ganzen Holgerssippe, einzubetten. Die Doktorandin sah sich »endlich« hinauswachsen aus dem »Milieu der Subalternen«. Und darüber ist ihr die arme Hallig versunken mitsamt der Ahne und der jungen, verirrten Schwester Maria Magdalena. –
Das Telegramm, aus dem das Glück buchstäblich hervorlachte: »Hurra, bestanden! Summa cum laude«, schickte mir Edlef durch meinen Schüler Onnen. Da liegt es noch vor mir auf dem Schreibtisch. –
»Willst du deine Schwester nicht wissen lassen, was sich hier alles ereignet hat?« fragte ich Edlef. »Es stirbt nicht alle Tage ein Edelmensch.«
»Nein«, entgegnete er finster. »Die Nomine will jetzt eine fröhliche Rhein- und Moselfahrt machen, da braucht sie leichtes Gepäck. Sollen wir sie unnütz mit der Hallig beschweren und mit unserer düsteren Traurigkeit?«
Ich wollte sagen: »Alle Rhein- und Moselfahrten wiegen nicht das Glück auf, von einer Frau abzustammen, wie es Ahne Gesine Holgers war«, aber ich wandte mich wortlos.
Mit Edlef Holgers ist jetzt nicht zu rechten und zu streiten, ja nicht einmal zu reden. Dem hat eine unsichtbare Faust all die jungen Baumkronen mit den Blütenzweigen zerschlagen. Nun muß er sich erst wieder zurechtfinden. Muß die bittere Enttäuschung unter die Füße zwingen. – Ihm ist noch nichts Ernstes verquer gegangen. Nun hadert er mit dem Schicksal um einen Stammhalter. – Und hat doch in seinem Bruder Onnen den prächtigsten, vorbildlichen Erben. Vielleicht, daß sich von den übriggebliebenen Baumstämmen noch ein warmes, leuchtendes Feuer anzünden ließe für den Winter seines Lebens …
Marenschwester, ich vertraue auf dich. Du wirst den Herd seines Hauses nicht erkalten lassen …
Eigentlich müßte es jetzt recht trübsinnig zugehen im Mutterhof. Nach all dem Erleben und all dem Ersterben. –
Aber dem ist nicht so.