Da war ein Morgen nach den beiden düsteren Begräbnissen, da stand sein junges, blasses Weib schier fröhlich vor Edlef Holgers und sagte: »Mich dünkt, Lütt-Krischan bleibt am besten auf dem Mutterhof, ich will ihn wohl großziehen.«

»Den Bankert?« hatte Edlef feindlich gefragt.

Und wieder die Maren: »Da sei Gott vor, daß wir Melenkes Sohn einen solchen Übelnamen geben. Ist er auch vaterlos, so hat er dafür euern Namen bekommen, ist also nun ein Holgers.«

Dies Gespräch hat mir Ohm Rickert erzählt. Edlef hat nichts gegen Marens Vorschlag gesagt. Recht ist es ihm wohl nur der Leute wegen, vor denen er nicht des Hauses unsaubere Wäsche waschen möchte. Aber meine Marenschwester blüht auf seitdem.

Und zwei alte Frauen werden noch einmal jung und unbitter. Mutter Holgers stiehlt sich in jeder freien Minute zum Enkelkind und ist also, runzellos und glückhaft, kaum wieder zu erkennen. Und Tanten Frauke fallen plötzlich alte, friesische Wiegenlieder ein. Die sie selbst nie singen durfte, singt sie nun Marens Pflegekind:

»Slaape, min Börn, ick wage di wat;

Wiarst man irst grotter, dan schluan ick di wat.

Aber dö best nog soll’ to jung

Dö möst nog en Jir waged wese.«

Jeden Tag erzählten mir Onnen und Karen von Lütt-Krischan. Wie er kräht und schreit und schläft und wieder schreit und recht das Regiment führt im großen Gewese. Und komme ich hin, dann laufen mir alle entgegen und ziehen mich zur Wiege, da muß ich von zwei eifrigen alten Frauen hören, welch ein Wunderkind Jung-Krischan ist, und Onnen und Karen zeigen mir, was er Neues kann. Maren berichtet stolz, wieviel er gewachsen, und was er wiegt und sieht in ihrer mädchenhaften Mütterlichkeit sehr lieblich aus. –