Der Herr des Mutterhofes merkt freilich nichts von dieser Lieblichkeit. Seine Stirn ist immer so tief gefurcht, wenn er in die Wiegenatmosphäre tritt, daß sich das Bild jäh verändert. Man trägt Lütt-Krischan rasch in die leere Döntje der Ahne, und die Frauen nehmen ihr Spinnrad oder das Klöppelkissen zur Hand, wenn sie nicht überhaupt vorziehen, in ihr Eigenheim zu enteilen. Und in Marens Antlitz tritt wieder der Leidenszug, dem sich neuerdings eine kleine, feste Falte zugesellt, die ungefähr sagt: »Ich will

Am Hochzeitstage meiner Schwester Maren war ich es wohl allein, der verstand, was für einen Spruch Ohm Rickert der Braut mitgab: »Man kann die Stube nur vom Sofaplatz aus beherrschen …«

Ich glaube nicht, daß meine Marenschwester sich freiwillig je wieder auf einen Stuhl setzt.


Über die Hallig tobte der Sturm aus Südwest.

»Dat duert mi all to lang«, meinte Ohm Rickert und schaute bedenklich drein, und trat ans Fenster und sah nach den jagenden Wolken und nach der wilden See. Onnen Holgers stand neben ihm. »Süh, min Jung,« belehrte ihn Ohm Rickert, »dor kümmt een durch den engelschen Kanal in de Nordsee. De Atlantische Ozean will uns en beten besäuken. Paß up. Allstunds nimmt de Storm noch to, trotzdem wi Ebbe hebbt, dat’s ’n slechtes Teken.«

»Meinst du, daß wir eine richtige Sturmflut kriegen?« fragte Onnen gespannt und machte ganz erwartungsvolle Augen. Der Ohm deckte sie ihm mit seiner großen Hand zu.

»Jung, lösch die Lichters. Dat is nix to lachen. Das braucht nich grod Sturmflut to werden, Gott schall uns bewohrn. Dann müßt all dreierlei tosamen kamen: Sturmstärke neun, und dann vierundzwanzig Stunn mit den ›Syzygien‹ tosamen. Und dann, min Jung, mut de Wind vör de Springflut umspringen nah Nordwest. Und wenn denn bei Hohlebbe de Hallig noch unner Water steiht, un de Storm nich aufflaut, sondern so bi bliwwt, – min Jung, dann fallt dien Hart eklig in de Büx.«

»Seid ihr bang, Ohm Rickert?« fragte Maren geruhig vom Sofa her.

»Bang bün ik all min Lebtag nich west,« wehrte Ohm Rickert, »aber aus Südwest kommt nix Guts zur Hallig. Dat wir gut, wenn wi de Gesangbäuker hernehmen.«