Der Gebeugte richtete sich auf und sah die Sprecherin unverwandt an. »Von Euch, Maren Holgers, geht niemand ungetröstet fort.«
Maren errötete, denn sie fühlte, wie auch die anderen sie eigen anstarrten, als sähen sie die Hausgenossin zum erstenmal. –
Draußen polterten die Kinder, schrien und riefen.
Vadder Luersen öffnete die Tür. »Jesus, – komme ich denn da noch heim???«
Ein jäher Sturmstoß gab ihm Antwort. Beide Kinder fielen zu Boden, Onnen raffte sich wieder auf und sprang auf die Diele, die schreiende Karen nahm Vadder Luersen mit raschem Griff und hob sie über die Schwelle. – Wilder Aufruhr ringsum. Im Tief überschlugen sich die Wellen, Brandung und Gischt tosten und sprühten, nur der Halligsee war der einzige »ruhende Pol«.
Maren brachte Mantel und Mütze. »Macht fix zu, Vadder Luersen«, drängte sie. »Solang die Leeseite noch ruhig ist, kommt Ihr heim. Grüßt Mutter Luersen. Laßt Eure Sorgen auf unserer Diele …«
»Habt Dank!« Der Wind verschlang die Worte.
Einen Augenblick verweilten die Bewohner des Mutterhofes noch in der offenen Tür, um all das Gewaltige in sich aufzunehmen. Die jäh veränderte, sonst so stille Insel, die grauen Wassermassen, die zerrissenen Wolken am Himmel mit dem glutroten Sonnenball, und die Schwärme der schutzsuchenden Vögel, die angstvoll um das Haus flatterten oder sich im Hof und Garten zutunlich niedergelassen hatten.
Mit scharfen Augen spähte Maren umher, dann entdeckte sie das, was sie suchte. Edlef Holgers trieb das weidende Vieh vor sich her.
»Rühr dich, Onnen,« rief Maren dem jungen Schwager zu, »riegele die Ställe und Hocken auf …«