Die sah sie auch. Generationen zogen an ihr vorüber. Die vom Mutterhof. Alle hatten sie so hier oben gesessen in Angst und Zagen, in Ergebung, in wildem Wehren gegen den Tod, oder in tapferer Entschlossenheit.

Ob aber wohl eins darunter gewesen war, wie diese junge Frau Maren? So ganz und gar selbstlos? War das nicht höher zu werten als Gleichgültigkeit gegen den Tod oder als Todesmut? Wie sie immer wieder sich erhob mit den müden Gliedern, der Mutter ein Kissen in das Kreuz schob, die Magd beruhigte, nach den schlummernden Kindern sah, wenn sie sich im Traume rührten! Und jetzt deckte sie die hergelaufene Akke zu, die sich unruhig hin und her warf. Und schützte deren Augen vor dem flackernden Licht der großen Laterne. Dann saß sie wieder still neben dem jungen Gatten.

Wie war es wunderlich zwischen diesen beiden.

Und wer kannte sich aus in einem Holgers?

Hatte nicht Edlef sie selbst, die kinderlose Frauke, wieder in alle Ehren eingesetzt, und femte nun doch sein eigen Weib?

Das war die Holgersselbstsucht, die mit der Holgersgutheit im Streit lag seit Urbeginn.

Und der Holgershochmut wollte sich nicht beugen unter das Schicksal, das »Entsagen« hieß.

Wie hatte die Ahne gesprochen? »Die Holgers sind wie harte Nüsse. Niemand bringt sie auf. Und am liebsten bleiben sie droben in ihren Zweigen. Aber einmal fallen auch sie reif vom Nußbaum herunter ins Grab. Dann holt der Herrgott seinen Hammer und schlägt sie mühelos auf. Schade nur, daß niemand erfährt, ob sie hohl waren oder voll süßen Kernes.«


Drunten in den Stuben stieß und polterte es.