»Haben wir den gleichen Weg?« fragte sie fast verlegen. Und als er ihr sagte, daß er sie nach dem Mutterhof geleiten wolle, nahm sie das Gespräch wieder auf.

»Ich allein erscheine Ihnen ohne Gefühlsduselei??? Und Sie sind doch der beste Freund der Ahne.«

»Eben darum. Bei ihr konnte ich tiefer schürfen. Und fand viel von ›Brimborium‹ und von dem, was Sie mit dem Schlagwort ›Sentimentalität‹ abtun.«

»Da wissen Sie in der Tat mehr als ich. Und meine Mutter? Erscheint sie Ihnen auch sentimental?«

»Jedenfalls hat sich Frau Holgers innerlich und äußerlich so verändert, daß Sie Ihre Mutter kaum wiedererkennen. Bleibt also noch Tanten Frauke. Nun, bei ihr werden Sie mir selbst zugeben, daß sie, gottlob (so sage ich), viel Brimborium zu eigen hat. Und Ihre jungen Geschwister, Fräulein Doktor? Klein-Karen lebt in einer köstlichen Puppen- und Märchenwelt, und Onnen???«

»Ja, den haben Sie mir gründlich verdorben«, fuhr es Nomine zornig heraus.

Eine dunkle Röte jagte über Manne Wögens Stirn. Nach kurzer Pause fragte er schier gleichgültig: »Wie wollen Sie das begründen?«

»Onnen ist etwas Besonderes …« sagte sie heftig.

»Seltsam, daß Ihnen das nicht entgangen ist bei dem Studium und der Doktorarbeit …«

Sie sah ihn böse an. »Ich meine, ein Schulmeister sollte einem den Fleiß nicht gar so verübeln.«