Auf Hallig Likamp lag Schnee.

Und ein kalter Nordost fauchte. Es war niemand unterwegs, den sein Beruf nicht unbedingt hinaustrieb. Eisblumen glitzerten an jeglichen Scheiben, und die Beilegeöfen verlangten viel Speisung, um die Stuben einigermaßen behaglich zu machen.

Manne Wögens ging nach der Postwarf, um seine Briefe abzuholen und ein Paket, das ihm angekündigt war. An der Anlegestelle des Postschiffes wehte ein dunkelblauer Schleier. Nachdem er das festgestellt, ging er ein wenig rascher zu und half der Aussteigenden.

»Hier«, sagte Nomine Holgers lachend.

Sie hielt ihm ein Postpaket hin. »Ich habe es für Sie ausgesucht in den anderthalb Stunden des langweiligen Kreuzens.«

»Wie überaus freundlich!« lächelte er überhöflich. »Und daß wir uns im Advent treffen, genau am Jahrestag wie beim letztenmal! Wissen Sie, daß Sie ein Jahr lang nicht hier waren? Und weiß der Mutterhof, daß Sie kommen?«

»Nein. Wir Holgers sind allem Brimborium und aller Sentimentalität abhold. Das wissen Sie ja.«

»Das steht doch nicht so ganz fest. Aber allerdings bei Ihnen persönlich habe ich diese Überzeugung. Sie sind einwandfrei unsentimental, Fräulein Doktor.«

Nomine errötete. Höchst überflüssig, wie sie bei sich selbst feststellte. Aber es berührte sie wunderlich, da der Lehrer ihr zum erstenmal den Titel gab.