»Sie irren, Fräulein Doktor. Er gehört jetzt meiner Schwester Maren. Sie hat ihn allein und mit eigener schwerer Lebensgefahr in fast drei Monaten aus Typhus und Diphtheritis gesund gepflegt.«

Wie Keulenschläge fielen seine Worte.

»Onnen? Maren?« stammelte Nomine, »davon weiß ich nichts …«

»Sie haben ein Jahr lang nicht geschrieben, sind ein Jahr lang nicht auf der Hallig gewesen«, klang es hart. »Als uns Onnen sterben wollte, schrieb ich an Sie. Schier wider meinen Willen aus einem inneren Zwange heraus …«

»Ich habe nichts erhalten.«

»Nein, der Brief kam zurück. Adressat verzogen, unbekannt wohin …«

»Ich war auf Reisen, mußte mich erholen …«

Der Trotz erhob sich wieder in ihr, sie wehrte sich gegen Manne Wögens unbarmherzige Aufrichtigkeit.

»Ja, ich weiß. Sie hatten Ihre neue Adresse niemand hinterlassen. Das ist bequem, Fräulein Doktor, aber es befremdet Leute, die noch mitten im ›Brimborium‹ stehen …«

Sie warf beleidigt den Kopf zurück. »Erzählen Sie weiter«, gebot sie kurz. »Sie haben ja gewiß noch den ganzen Sack voll schöner Neuigkeiten, Manne Wögens. Oder nicht?«