»Neuigkeiten? Ja! Schön? Nein! Aber so reichlich, daß ich fürchte, ich komme nicht zu Ende, bis wir den Mutterhof erreicht haben.«

»So unartig also war’t ihr Halligleute, während ich nur ein Jahr fort war?« versuchte Nomine zu scherzen.

»Ja, wir Halligleute – Fräulein Doktor scheint sich überhaupt nicht mehr dazu zu rechnen – erlaubten uns sehr unartig zu sein, über die Gebühr unartig, – Gott, was haben wir alles angestellt …!«

Nomine Holgers sah ihn prüfend an. Die sonderbar bittere Art seiner Berichterstattung befremdete sie. Es war kein Humor mehr dabei.

»Das scheint mir so«, sagte sie bedeutungsvoll. »Sie tragen ja noch den Arm in der Binde. Haben Sie gerauft?«

»Mit dem Tode, ja. Aber er war stärker als wir alle.«

»Manne Wögens, Sie sind wirklich unausstehlich. Was soll diese ganze Art? Wenn es Scherz sein soll …, Sie pflegten früher geschmackvoller zu scherzen.«

Er lachte grell und bitter auf. Und dann faßte er mit seiner gesunden Rechten ihr Handgelenk und hielt es wie in einem Schraubstock fest. Zornig blitzten seine Augen sie an. Sie wollte sich losreißen, aber er zwang sie stehenzubleiben.

»Was ficht Sie an, Manne Wögens?« rief sie böse.

»Der Zorn, Prinzessin Nomine. Ein Jahr lang haben Sie sich nicht um Ihre Heimat und um uns gekümmert. Ein Jahr lang haben wir hier in Kümmernis und Herzenssorgen gelebt, und Sie haben nicht danach gefragt. Meiner Maren wollten und sollten Sie eine Schwester sein; haben Sie Ihr Wort gehalten? Alle Brücken zur Heimat hatten Sie hinter sich abgebrochen. Warum? Aus kaltherziger, eigensüchtiger Bequemlichkeit. Und wie wollen Sie vor Gott bestehen, wenn er Sie nach Melenke fragt?«