»Ich habe nie Anlage zum ›Nettsein‹ gehabt«, entgegnete er ruhig.
Da flog ein häßliches Wort ihm zu. »Philister!!!«
Unbewegt und ernst stand er vor ihr, und sah in seiner hochaufgerichteten, stattlichen Größe auf sie nieder. Allen Zorn, allen bitteren Unmut zwang er jetzt mannhaft zurück. Und sah nur das junge Menschenkind vor sich, das all der furchtbaren Wahrheit im Mutterhof ahnungslos entgegenging. Er bewegte die Lippen und formte die Worte, die sie schonend vorbereiten sollten …
»Um Gottes willen,« rief sie, »nur keine Moralpredigt mehr. Ich hab genug für alle Ferien davon. Gö Dai, Manne Wögens …«
Nomine Holgers gönnte ihm nicht einen einzigen Blick mehr. Sie wandte sich und lief noch ein Stück den Deich entlang, und stieg dann die Steinstufen zur Großwarf empor.
Und Manne Wögens stand still auf derselben Stelle und sah ihr nach. Als wolle er dort Wurzel schlagen, wie die Bonnestave zu seinen Füßen.
Aufzeichnungen des Halligschulmeisters Manne Wögens.
»Wer tief verwundet ist von den Geschossen des Schicksals, der mag auf die majestätischen Höhen der Berge und die ungebändigten Wogen schauen und lernen, daß man mit der Weichheit nicht durchkommt, und daß Kraft die Losung des Lebens ist.«
Dies Wort holte ich mir heut aus meiner Bücherei. Eine Bestätigung der tiefen Wahrheit, die mir schon lange der tägliche Anblick der salzen See gegeben hatte. –