»Das tun Sie wahrlich und haben es immer getan«, sagte der Lehrer warm. »Es macht Ihnen so leicht niemand nach, wie Sie Ihr Haus voll laden mit all den Mühseligen.«
»Doch, Frau Maren macht es genau so und noch viel gründlicher und hat nicht einmal die Verpflichtung wie wir. Ach, Herr Wögens! Und der Edlef Holgers läuft in der Welt herum … Hat so eine Perle von einer Frau. Und er? Was man da so zusammen hört …«
»Pssscht! Luischen!« mahnte der Pastor, und zog seine Stirn in dichte Falten. »Ich glaube, du läßt uns nachher ein bißchen allein.«
»Ach, Pastor, bei Mannesrat allein schaut nichts Erkleckliches heraus. Sehen Sie, Herr Lehrer, es wäre schön, wenn Sie mir da ein Linschen beistünden. Mein Pastor ist immer dafür, alles sanft und glatt zu reden, aber ich muß hier meiner Mitschwester durch dick und dünn beistehen. Wenn der Herr Holgers, – ich hab’ ihn übrigens immer gern gemocht, – in der Welt ›herumfachiert‹ …«
»Luischen, sieh zu deinen Worten …«
»Ja, nicht wahr, Herr Lehrer, dann müssen wir Frauen zusammenstehen wie ein Mann, und …«
»Luischen, ich sehe schon, du willst in den Reichstag. Da will ich nur gleich Frau Maren fragen, ob sie mich mit verköstigt und das lebende und tote Hauswesen des Pastorats betreuen will.«
»Pastor, was du redest. Und was machst du denn da? Ich glaube gar, du willst den Tisch abräumen? Und mein Volkstedter Porzellan zerbrechen? Das fehlte noch!«
Frau Luischen sprang hurtig auf und räumte die kostbaren, goldgeränderten Tassen selbst zusammen. Stellte sie dann an das feingemalte Kuchenbrett, fegte sorglich die Krümel vom blütenweißen Tischtuch und trug alles hinaus. Manne Wögens sprang auf, um ihr die Türen zu öffnen.
»Ich muß jetzt so etwas selbst tun«, sagte sie entschuldigend zu ihm, »meine brave Magd quält sich mit den drei Bresthaften. Aber über Maren und Edlef sprechen wir noch, gelle, Herr Lehrer?«