Damit goß sie ihm auch schon eine bauchige Tasse voll, versorgte ihn mit Sahne und Zucker und lud auf seinen Teller eine Unmenge des duftenden Gebäckes. Er wehrte erschrocken ab.

»Frau Pastorin, Sie scheinen der unbedingten Ansicht zu sein, daß die Begriffe ›Schulmeister‹ und ›Hunger‹ zusammengehören«, rief er lachend. »Mich hat aber eben meine brave Magd schon genudelt.«

»Doch sicher nicht mit Thüringer Streuselkuchen«, meinte Frau Luischen stolz und ein wenig gekränkt.

»Essen Sie, Wögens, essen Sie!« sagte der Pastor behaglich. »Wenn Sie dem Kuchen, der mit eitel Liebe gebacken ist, nicht alle Ehre antun, dann erlaubt mir meine Frau nicht, daß ich Ihnen den geringsten Wunsch erfülle. Und ich sehe doch, daß Sie allerhand Wünsche, nicht nur einen, auf dem Herzen haben.«

»›’n ganzen Barg‹, wie meine Jungs sagen. Zuerst, Herr Pastor, was fangen wir mit Luersen an? Der bleibt nicht bei mir und darf nicht bei Maren bleiben.«

Und der Lehrer erzählte von der Gefahr, welcher Klein-Anni durch den kranken Großvater ausgesetzt gewesen.

Frau Luischen schlug die Hände zusammen. »Das ist ja schauderhaft«, rief sie. »Das ist ja gar nicht auszudenken! Und die liebe, junge Frau Maren da immer so tapfer dazwischen! Herr Wögens, was haben Sie für eine prächtige Schwester!«

Sie goß die Riesentasse gleich noch einmal voll, obschon sie noch zur Hälfte gefüllt war. »Haben Sie keine Angst, Herr Lehrer!« sagte sie eifrig. »Ich kann ruhig draufgießen, das gibt kein Gliederreißen. Bei uns in Thüringen nicht, nur im Rheinlande. Ach, Herr Wögens, wollen Sie den armen Luersen nicht zu uns bringen? Das Pfarrhaus hat so viel Platz. Und Kinder sind hier nicht zu gefährden.«

»Luischen, wer sagte denn heute morgen: Ephraim, nur keine fremden Leute mehr ins Haus, die drei ›Bresthaften‹ bringen mich noch auf den Schragen …??? Wer war das doch, Luischen?«

»Ach, Ephraim, ›Vormittagred’ ist nicht Nachmittagred’.‹ Und der Luersen dauert mich, und vor allen Dingen dauert mich Frau Maren schrecklich. Und das Pfarrhaus soll immer mit gutem Beispiel vorangehen …«