Da nahm der Lehrer den Jungen und stellte ihn vor sich hin. Und betrachtete ihn sehr aufmerksam. Und küßte ihn in ausbrechender Freude auf die Stirn, was beide sehr verlegen machte.

»Sag mal, Onnen, mein Junge, möchtest du nicht Halligpastor oder – – Halliglehrer werden?«

Der Knabe sah ihn freimütig an. »Pastor nicht. Da müßt ich ja zu lange von hier fort. Vielleicht Halligschulmeister … Wenn ich gut genug dazu bin …«

»Eben deshalb. Um dieses Wortes willen! Weil du so hohe Anforderungen an dich stellst, Onnen, mein Junge. Wir werden nun viel darüber sprechen, willst du? Du hast mich heute recht froh gemacht …«

»Ich will alles tun, was Sie froh macht.« Onnen sah mit großer Liebe zu seinem Lehrer auf. »Auch die Nomine schreibt es, und legt es mir ans Herz. Ich habe einen Brief von ihr. Aber sie braucht es nicht erst zu schreiben, ich tue es von allein …« Nun ward es still im Schulzimmer.

Eine Weile wartete noch Onnen. Er blickte auf den Lehrer. Der schaute durchs Fenster hinaus über die salzen See hin mit versonnenen Augen. In Fernen hinein …

Da schlich sich der Knabe hinaus. Und der Lehrer merkte nicht einmal, wie die Tür klappte. Die Umwelt war versunken, er fühlte nur eine unbeschreibliche, wohlige Wärme. Die kam vom strahlend blauen Hallighimmel in leuchtenden Sonnenstrahlen und schien durch die geöffneten kleinen Fenster der Schulstube geradenwegs in sein Herz hinein.


Am Spätnachmittage suchte Manne Wögens den Pastor auf. Die traute Behaglichkeit, in der er »Philemon und Baucis« fand, stimmte gut zu seiner eigenen, schier weichen Stimmung. Die Fenster des Pastorats waren weit geöffnet, von draußen strömte die warme und doch seltsam herbe Frühlingsluft herein und vermischte sich mit dem Duft eines sehr guten Kaffees und dem eines nicht minder guten, echt thüringischen Streuselkuchens.

»Ob ich es nicht gewußt habe, Herr Wögens!« begrüßte ihn freudig die Pastorin. »Den ganzen Vormittag hat sich die Katze geputzt und geschleckt, das ist ein untrügliches Zeichen für lieben Nachmittagsbesuch.«