Manne Wögens lachte. »Junge, Junge, dat is gewiß.« Und noch lachend trat er in die Schulstube.

Da saß Onnen Holgers auf dem Katheder und las mit erhobener Stimme und gutem Ausdruck eine biblische Geschichte vor. Und die Schulbuben und Mädchen hatten die Hände gefaltet bis auf Geerd Mannsen. Der kerbte mit einem Taschenmesser die Bank ein, was von den Umsitzenden mit Teilnahme verfolgt wurde. Die hinderte sie aber nicht, zugleich die Geschichte mit Spannung in sich aufzunehmen. Denn Schulkinder haben die Gabe, die Ohren freizuhalten, wenn sie auch Herz, Hirn und Augen zu einer anderen Sache brauchen.

Daß der Schulmeister mitten in der schönen Geschichte zurückkam, das neue Messer von Geerd Mannsen enteignete, dem Sünder eins an die Ohren gab und die Geschichte unterbrach, dünkte allen eine sehr unberechtigte Störung. Nur Onnen sprang fröhlich von seinem hohen Sitz herunter. Zugleich läutete es acht Uhr von der Kirchwarf, und die Pause begann. Alle Kinder marschierten geordnet zur Tür hinaus auf den Hof zum lärmenden Spiel, wobei auch Geerd Mannsen seine Ohrfeige vergaß.

»Es ist sehr schwer, Lehrer zu sein, oha, oha«, sagte Onnen, der zurückgeblieben war. Er atmete tief und befreit auf.

»Sieh da, Onnen, mein Junge,« meinte der Lehrer, »da hast du ja schon in deinen jungen Jahren begriffen, was die meisten erwachsenen Leute noch nicht klar haben. Ja, es ist sehr schwer, ein Lehrer zu sein!«

Onnen machte ein sorgenvolles Gesicht. »Jeder wollte eine andere Geschichte, Herr Lehrer. Das ging doch nicht. Und der Lärm dabei! Dann hab’ ich eine gefunden, die paßte für alle.«

»Und welche war das?«

»Von Jesus und der Sünderin.«

Manne Wögens unterdrückte ein Lächeln. »Junge, wie kommst du auf die?«

»Weil da ein Spruch drüber steht: ›Und wenn ich mit Menschen- und Engelszungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz und eine klingende Schelle.‹ Ich dachte, von der Liebe … könnte man den Halligleuten gar nicht genug erzählen … –«