»Du hast dir viel Sorge aufgeladen, Marenschwester«, meinte er trübe. »Du siehst müde aus.«

»Nicht doch«, wehrte sie. »Das war nur heute ein bißchen viel, so in aller Herrgottsfrühe. Sorg’ dich nicht um mich. Der Ohm Rickert ist ja nun wieder bei mir …«

Manne Wögens schüttelte lächelnd den Kopf. »Wie du den gezähmt hast, Maren. Wo ist sein loses Maul geblieben? Weißt du, daß er dich eine Heilige nennt?«

Maren errötete. »Das ist ja Unsinn! Er weiß nur, daß ich Schluderworte nicht hören mag.« Sie sah lieblich lächelnd den Bruder an. »Manne, wo sollte wohl Ohm Rickert ›Heilige‹ kennen gelernt haben?«

Dann fragte sie unvermittelt: »Hast du Nachricht von Edlef?«

»Ja, gestern. Aber von sich selbst schreibt er gar nichts, der ganze Brief wimmelt von ›Erdlahnungen‹, ›Faschinenbuhnen‹ und ›Strohbeschickung‹. Er ist sehr fleißig, dein Edlef. Und auch mit seinem Geld und Gut setzt er sich ein. Die Halligleute schätzen ihn sehr, Maren, mein Deern …«

»Ja, und schneiden ihm die Ehre ab«, sagte sie bitter.

»Das steht ganz und gar auf einem andern Blatt«, rief der Lehrer eifrig und nahm ihre Hand. »Du kennst die wunderliche Hallig nicht wie ich …«

»Doch, Manne, ich kenne sie.« Aus ihren Augen sah der Gram.

Da reichte er ihr rasch die Hand und ging mit weit ausholenden Schritten zur Schulwarf. Sein alter Knecht kam ihm entgegen. »Allens im Lot«, berichtete er. »Dat brummelt blot so’n beten in de Scholstuw. Ik heww seggt: Ji Düwelstüg, wenn ji Larm makt, dann hol ik sülwst School. Da hebben se Angst kregen …«