Mit Marenschwester habe ich nur wenig über diesen Besuch bei Edlef gesprochen. »Laß!« wehrte sie mir. »Er hat mir so wehgetan, aber ich kann von niemandem hören, daß er es tat.«
»Mein Deern,« sagte ich, »es wird eine große Veränderung für dich und den Mutterhof kommen, wenn er wiederkehrt. Wirst du die Herrschaft gern und willig abgeben wollen? Wie eine kleine Königin hast du den Mutterhof regiert.«
»Edlef ist der Herr«, sagte sie ruhig. »All meine Arbeit war für ihn.«
Ich las in ihrer Seele. Marenschwester und ich waren von Kindheit an innerlich untrennbar. Ich weiß, daß sie sich selbst zutiefst die Schuld gibt an der Entfremdung zwischen Edlef und sich.
Schuldlose Schuld. Arme Maren!
Jedenfalls aber wird Edlef gerecht genug denken, der jungen Herrin tief zu danken, wenn sie ihn wieder in sein Königreich führt.
Eine Macht ist der Mutterhof geworden.
Er war früher nur reich, jetzt ist er groß.
Meine Marenschwester hat der »Liebe« Hüsung gegeben. Es ist warm im Mutterhof. Und sie, die von dem Gatten keine Liebe empfing, hat aus dem reichen Schatz ihres Innern geschürft und hat gegeben, – immer nur gegeben. Und je mehr sie gab, desto reicher wurde sie. Und sie, deren Leib nicht gesegnet ward, wird »Mutter« genannt von allen, die ihrer Kraft und ihres Rats bedürfen. »Mutter Maren« heißt meine noch so junge Schwester auf Hallig Likamp.
Onnen erzählte mir, daß auch Nomine Holgers aus dem Ausland heimgekehrt ist, um ihr Staatsexamen abzulegen. Danach will sie Edlef in der Heimat begrüßen. Und will all die großzügigen Maßnahmen mit ihm durchsprechen, die Edlef zum Schutze unserer Insel getroffen hat.