Wo Segen, da Gott,

Wo Gott, keine Not.«

Die Halligleute halten darauf, daß in jedem Hause dieser Spruch hängt. So wollte auch ich etwas stiften und nagelte den hübsch gerahmten Spruch über das einfache Sofa im Wohnpesel. Das hat Tanten Frauke aus ihrer Kemenate hineinstellen lassen.

Als ich just beim Einpacken von Hammer und Nägeln war, ließ mich ein Geräusch aufblicken.

Und da lehnte Akke Luersen in der Tür.

Sie tastete sich mit unsicheren Schritten zu mir. Ihre Augen brannten in dem blassen Gesicht. »Herr Lehrer, Sie werden mir die Wahrheit sagen«, raunte sie heiser.

Beide Arme hob sie wild und zeigte mit den Händen ringsumher. »Ist das wahr? Die Sturmflut? Alles leer? Alles? Vater, Mutter, die Geschwister??? In Pellworm hat man’s mir gesagt. Von Kopenhagen komm ich …«

»Und habt in der ganzen Zeit nicht einmal geschrieben und gefragt, wie steht’s daheim?« fragte ich ernst. Und mußte an Nomine denken, die in all ihrer herben Mädchenhaftigkeit genau so gehandelt hatte wie die verachtete, wilde Akke.

»Wem sollt ich schreiben? Der Vater hatte mir die Tür gewiesen … Und seit der letzten Sturmflut haßte ich die Hallig und alle Menschen drauf …«

»Alle?« fragte ich mit schwerer Betonung.