Ich lief zum nahen Schulhaus und holte Wein und Brot und Wasser, meine alte Magd half mir alles tragen. Als wir zurückkamen, saß Akke mit ihrem Vater auf dem Bettrand. Sie hielt seine Hand und strich sacht darüber hin. Ihr schönes, wildes, derbes Gesicht war jäh gealtert. Sie stand auf und sah mich an. »Kann ich hierbleiben?« fragte sie kurz und hart. »Und kann mir mein Kind geschickt werden? Ich möchte den alten Mann bei mir behalten. Vielleicht – daß er mich noch einmal erkennt …« Sie schien alle Fragen ohne Pause tun zu wollen. So als bliebe ihr keine Zeit sonst, und als wolle sie danach nie mehr ein Wort an andere richten. »Könnten Sie mir Arbeit besorgen, Herr Lehrer? Damit ich verdiene. Eine Weile geht’s noch mit meinem Ersparten. Die Gemeinde soll keine Last mit uns haben.«

Ich konnte ihr das versprechen, denn Lars Larsen von der Schulwarf sucht eine Hilfe für seinen großen Hausstand. Und er vermag reichlich auszugeben. Im übrigen leidet kein Halligbewohner, daß irgendeiner von der Insel sich in Bedrängnis befinde. Nur von der Schwelle meiner Maren möcht’ ich Akke fernhalten …


Aber wer rechnet mit den wunderlichen Frauen …

Heut kann ich schon niederschreiben, daß Maren allein das Haus der Akke fertig eingerichtet und ihr übergeben hat. Vadder Luersen sitzt in einem behaglichen Ohrenstuhl und zupft das Wiegenband. Wenn seine Tochter spricht, dann hält er die Hand ans Ohr und lauscht. Als ob aus weiter Ferne etwas zu ihm dränge. Seine Züge spannen sich dann ein wenig. Noch scheint ihn aber das Ringen mit der Erkenntnis zu quälen. Am friedvollsten ist er, wenn er das Kind ganz für sich allein hat. Dann sitzt Tanten Frauke in seiner Nähe am Spinnrad. Sie hat das Amt des Betreuens übernommen, während Akke auf Arbeit geht.

Ich sprach ernst mit meiner Marenschwester, warum sie doch so viel Wohltaten auf die Frau häufe …

»Ich kann niemand Aufrechtes am Boden liegen sehen«, sagte Maren sanft.

»War Akke so aufrecht?«

»Sie war immer heiter. Sie konnte lachen. Es ist furchtbar, wenn man das Lachen verlernt. Deshalb möcht’ ich die Akke wieder aufheben. Ihr Kind braucht das Lachen der Mutter …«

Ich nahm Maren in meinen Arm. »Du, – ich brauche auch Lachen, dein Lachen, Schwester. Wo ist es?«