Da kam ein Wehlaut aus Nomines Mund.

Er streckte die Arme nach ihr aus, und ließ sie wieder sinken.

»Du sollst dich nicht einen Augenblick gekränkt fühlen«, sagte er tonlos vor innerer Erregung. »Und deshalb sag’ ich dir wieder und wieder, was du nie mehr hören solltest: ›Nomine, ich hab’ dich lieb! Ich hab’ dich lieb! Ich hab’ dich lieb!‹ Aber ich nehme dich nicht und küsse dich nicht, weil du ganz frei sein sollst, während ich fort bin. Denn über dich ist ein Rausch gekommen … versteh mich recht, du Süße … der Halligrausch. Ich weiß, wie er gewaltig zupackt. Du liebst die Heimat mit einer späten gewaltigen Liebe und meinst, sie gelte mir. Tu ich dir weh, Liebste? Ach, ich tu mir selbst am wehsten. Das muß sein, du mußt dies kommende Vierteljahr auf der Hallig bleiben, Nomine. Mußt die ganze Öde der kalten, einsamen Insel durchmachen. Um dich zu prüfen, ob deine Liebe echt ist. Ob du es aushalten kannst ›up ewig ungedeelt‹ neben dem einfachen Schulmeister in dieser Öde zu stehen … Nach all deinem ernsten, wohlbelohnten Studium – eine Halligbäuerin zu werden. Denn das müßtest du werden – Nomine – mit deinem ganzen Herzen …«

Ein Sonnenstrahl, der erste an diesem grauen Regentage, fiel durch das Fenster und leuchtete an der Wand auf, wohin das Mädchen seinen trostlosen Blick gerichtet hatte. Ein Spruch hing da, ganz ungerahmt, daß es aussah, als höben sich die Buchstaben aus der Wand heraus … »die Liebe aber ist die Größeste unter ihnen«.

Da demütigte sich die »Prinzessin« tief …

»So will ich warten, bis du wiederkommst«, sagte sie einfach. »Du wirst mich ganz unverändert finden, Manne Wögens, – so wie ich heute zu dir kam.«

»Du! Du!« stammelte er … Und dann riß er seine zärtlichen, dürstenden Blicke gewaltsam los – »Gott behüt!« rief er noch.

Die Tür öffnete und schloß sich mit jähem Ruck.

Und Lehrer Wögens lief davon. Lief nach der Postfähre hinunter wie ein Schuljunge, der unerträglichem Zwang entfliehen will … Einmal sah er sich um. Ein weißes Tuch winkte. Da rief er noch einmal in den Sturm hinein: »Gott behüt …!«

Langsam wandte sich Nomine vom Fenster fort. Sie nahm ihr Herz in beide Hände. Fest, ganz fest.