»Was soll das?« fragte Wögens verletzt.

»Da hab’ ich gedacht: ›So muß ich etwas ganz Ungewöhnliches tun, – etwas, das er vielleicht … häßlich findet … Aber ich muß es trotzdem tun. Denn sonst erfährt er ja nie …‹«

Und nun wandte sie doch den Blick von ihm fort und senkte den feinen Kopf tief.

Ein großmächtiger Tintenfleck machte sich vor ihr auf der Schulbank breit. Eine Viertelsflasche hatte Geerd Larsen heute ausgegossen, und dafür einen Katzenkopf bekommen. Zu diesem Tintenfleck sagte Nomine laut: »Ich habe dich auch lieb, Manne Wögens!«

Vielleicht jauchzte der Lehrer auf, aber es klang wie ein Schluchzen.

Und mit einem Ruck straffte er sich. Legte die Hände auf den Rücken und ging heftig auf und ab. Wäre Nomine seine Schülerin gewesen, so hätte sie gewußt, daß der Lehrer Manne Wögens aus den Fugen war und wieder zurechtkommen wollte.

Aber sie wußte es nicht. Und sie schlug jetzt in heller Scham beide Hände vor das Gesicht.

Manne Wögens blieb stehen. So fest biß er sich auf die Lippen, daß kleine Blutstropfen auf ihnen standen. Und in der peinigenden Stille nahm er die Kreide und malte wilde Schnörkel an die Wandtafel, und zerbrach die Kreide und warf die Stücke weit von sich.

Wieder nahm er den Dauerlauf auf. Blieb wieder stehen. Und sah sie an, wie sie mit blassem Gesicht durch das Fenster schaute in den grauen Regen hinein.

»Wär’ ich ein anderer, Nomine Holgers, – ich nähme dich in meine Arme und holte nach, was wir vier lange Jahre versäumt. Aber ich bin … Manne Wögens. Fahre nicht auf, Nomine. Du mußt mich verstehen. Ja, du hast mir eben ›Unerhörtes‹ gesagt. So unerhört Schönes und Süßes, daß ich es nicht annehmen kann, jetzt nicht … wenn ich ehrlich bleiben will.«