»Das habe ich Ihnen doch erklärt, – ich wollte – abbitten …«

»Was heißt das? Ich habe Ihnen nichts zu verzeihen. Daß Sie die Hallig nicht liebhatten … nun sie ist unsere Mutter, und eine Mutter verzeiht alles und nimmt auch das lieblose Kind immer wieder ans Herz. Daß Sie mich nicht liebhaben konnten, war Ihr gutes Recht …«

Sie sah ihm gerade in die Augen. »Ich habe die Hallig lieb! So lieb! Ist’s denn so schlimm, daß ich erst lernen mußte, was anderen im Blut liegt? Manne Wögens, – ich hab’ nicht gewußt, was rechtes Heimweh ist. Dann kamen im Ausland bitter einsame Stunden, und in diese hinein brachte ein Professor mir Ihr Buch …«

»Sie – haben – mein Buch schon gelesen?«

»Im Banne der Heimat. Ja. Manne Wögens, Sie haben mir die Heimat geschenkt. Darf ich Ihnen die Hand geben?«

Ganz mechanisch und sehr langsam reichte er sie ihr hin, zog sie aber gleich wieder fort. Beinahe wie ein verlegener Junge, der das Weite suchen will.

»Was ist das mit Ihnen, Fräulein Doktor?« fragte er ungeduldig. »Sind Sie eine neue Ausgabe der alten spottsüchtigen Nomine Holgers? Ich finde mich nicht zurecht.«

In ihr regte sich der Zorn. Aber der heiße Wunsch, jetzt nichts zu verderben, drängte alle unguten Worte zurück. Sie standen Aug’ in Auge …

Und obgleich Nomine Holgers innerlich feststellte, daß Manne Wögens sie unerhört quäle, war es doch der Schulmeister, der beide Fäuste ballte und mit farblosen Lippen die Worte herausstieß: »Wie Sie mich quälen, Nomine Holgers!«

Da sagte sie leise und wandte die Augen nicht von ihm: »Ihre Marenschwester hat mir geschrieben, nicht einmal, sondern in jedem Brief: ›Der Manne hat dich lieb bis in den Tod, denn er ist ein Wögens. Aber er wird es dir niemals wieder sagen, nie.‹«