Vor ihr stand Onnen und hielt ihre beiden Hände.
»Du siehst arg müde aus, Mütterchen Maren«, sagte er besorgt. Sein offenes, schönes Knabengesicht beugte sich unendlich liebevoll über die junge Witwe. »Ich will auch gleich von dir fortgehen, dir tut das Alleinsein not …«
Ein liebes Lächeln trat in ihr Gesicht. »Ich könnte dich wohl ›Väterchen Onnen‹ nennen, so besorgt bist du um mich«, sagte sie liebevoll.
»Ich gehe auch gleich, Mütterchen. Aber ich mußte dir sagen, dir ganz allein, wie ich mich freue. Wie dankbar ich unserm Edlef bin. Daß er alles so und nicht anders geordnet hat. Nicht wahr, du fühlst, wie ich mich freue?!« fragte Onnen stürmisch.
»Ja, das tue ich, du lieber Junge. Hab’ Dank! Ihr seid alle so gut zu mir …«
»Weil wir alle dir alles verdanken«, rief Onnen begeistert. »Weil im Mutterhof so viel Sonne ist! Trotzdem ihr alle schwarze Kleider tragt. Das ist wie ein Wunder … Ach, Mütterchen Maren …!«
»Du lieber Junge!«
Und Maren dachte still, wie viel Reichtum ihr doch geblieben sei, da sie dieses seltene junge Menschenkind erziehen und leiten dürfe zu allem Guten. Und so dem Mutterhof doch einen Erben geben konnte. Ganz selbstlos, ohne eigenes Glück. Nur auf das Ansehen und die Ehre des Mutterhofes und der Halligheimat bedacht. –
Onnen war hinausgestürmt.
In ihm war alles Wollen und Tatkraft.