Der Holgersjähzorn schoß in ihm hoch. »Was willst du da?« fragte er barsch. »Meiner Maren weh tun? Das gibt’s nicht.«

Er bekam keine Antwort. Akkes Augen sahen ihn erschrocken und weh an. Und sie wandte sich sofort und ging zurück.

Ihr müder Gehorsam entwaffnete den heißblütigen Jungen. Er fühlte, – diese gebeugte Frau wollte nichts Ungutes über die Schwelle des Mutterhofes tragen. Da ging er mit ihr die kurze Strecke nach dem Hause wieder zurück, und das Bewußtsein seines eigenen äußeren und inneren Glückes gegenüber der müden Traurigkeit Akkes machte ihn gut und ritterlich. Er öffnete ihr die schwere Haustür und rief ihr noch in großer Verlegenheit zu: »Grüß dein klein’ Anni«, ehe er wieder stürmend den Lauf nach der Schulwarf aufnahm. –

Nun stand Akke Bahn, geborene Luersen, vor Maren Holgers. Deren Blick weitete sich bei ihrem plötzlichen Erscheinen in fragendem Erstaunen und stiller Angst.

Aber Edlefs Brief, der auf ihrem Herzen lag, war wie ein Talisman, von dem geheime Kräfte ausgingen.

Sie erhob sich von ihrem Sitz und holte für den stummen Gast einen Stuhl.

Akke wehrte kopfschüttelnd ab. Sie rang nach Worten und fand kein einziges.

Da sagte Maren ruhig und freundlich: »Du willst mir Kondolenz geben? So setz dich auch.«

Aber Akke tastete sich nach rückwärts und legte einen noch größeren Raum zwischen sich und die junge Witfrau. An den Türpfosten lehnte sie sich. Scheu, als wollte sie jeden Augenblick das Weite suchen. »Können wir eine Weile allein bleiben?« stieß sie heraus.

Maren nickte. »Wir sind ungestört.«