Die Worte kamen nun stoßweise aus Akkes Mund: »Du kennst ja Edlef. Das traf ihn. Er hatte dir so vertraut. Und er war stolz. Ich wußte, er hätte dich nie gefragt. Stolz und hochmütig wie du. Und er glaubte mir. Weil er selbst nicht lügen konnte. Dann hat er mich zum letztenmal davongejagt … Aber ganz gebrochen sah er aus. Weil sein Vertrauen tot war …«
Akke erhob sich. Und sah befremdet auf die Herrin des Mutterhofes. Die konnte sich wohl kaum noch aufrecht halten. Wie der Tod sah sie aus. Aber sie schrie nicht und klagte und weinte nicht, wie andere Frauen. Hätte sie es doch getan. Dann wären die grauen, ernsten Augen wohl nicht so furchtbar anklagend auf Akke geheftet. Diese leidvollen Augen, denen man durchwachte Nächte ansah.
Wieder tönte Akkes harte Stimme:
»Ich habe dir das alles nicht gesagt, Maren Holgers, um dich etwa jetzt um Verzeihung zu bitten. Die will ich nicht. Und brauche ich nicht. Nur um meiner selbst willen klage ich mich an. Ich will besser sein als Edlef von mir gedacht hat.«
Tiefe Stille. Und darin nur diese anklagenden, wehen Augen. Akke schlich nach der Tür.
»Ich gehe nun, Maren Holgers. Ich ziehe ganz fort von der Hallig. Den kranken Vater nehme ich mit mir. Und das Kind. Mein Mann ruft mich. Er hat einen Schlaganfall gehabt und ist gelähmt …«
Da war Maren Holgers plötzlich neben ihr, und ihre Hand legte sich auf Akkes Arm und hielt sie zurück.
»Arme Akke!« sagte eine gute Stimme. Das Bewußtsein des eigenen Reichtums, des festen Verbundenseins mit Edlef über Tod und Vergehen hinaus stand groß auf in Maren Holgers. Und sie dachte nicht mehr an die Schuld, nur noch an das Unglück der Halligschwester. Der man das letzte »Scherflein« nehmen wollte, – die Heimat. Und mit diesem starken Empfinden kam eine große Ruhe über sie. »Willst du nicht deinen Mann auf die Hallig holen, Akke?« fragte sie. »Euer Haus hat doch Raum für ihn. Und die Hallig – die braucht dich, Akke. Du bist fleißig, – und – viel stärker als ich – – du wirst mir oft helfen können … Willst du, Akke?«
Da straffte sich eine gebeugte Gestalt und ein heißes, irrendes Herz wurde seiner Last ledig. Eine Antwort bekam Maren nicht. Aber deren Herz schlug zum erstenmal ruhig und froh, als sie der Enteilenden nachsah. Dann horchte sie befremdet nach draußen hin. Da waren viele Stimmen aufgestanden. Die rannten miteinander. Auch leise lachende Kinderlaute waren dazwischen. Onnens helle, warme Stimme tönte obenauf.
Maren tritt vor die Haustür.