»Ein klein büschen«, sagte sie leise. »Aber vielleicht mußt du dich auch fürchten, denn ich hab dich so schrecklich lieb. Und ich werde immer hinter dir herlaufen, damit du mir nicht abhanden kommst. Wird es dir auch nicht unbequem sein?«

Er lachte glücklich auf. »Ach, du Lütten! Du bist wie aus einer anderen Welt! Wie hast du dich so fein und rein halten können in der staubigen Großstadt?«

»Weil ich an den Edlef Holgers dachte. Allstunds. Ich weiß, daß du nichts Staubiges magst.«

Er ließ sie plötzlich aus seinen Armen. »Lüttje Deern, paß auf«, sagte er ernst. »So wahr mir Gott helfe, ich mag nichts Staubiges. Aber so rein wie du bin ich nicht. Hab noch vor wenig Wochen eine andere wild geküßt. Willst du mich aus diesem Irrtum herausnehmen?«

Um einen Schein blasser war sie geworden, und in rührender Hilflosigkeit sah sie ihn an. Dann schlang sie beide Arme um seinen Nacken und küßte ihn heiß und innig.

Ernsthaft sagte sie: »Nun bist du rein.«

Da war’s Edlef Holgers, als stünden alle Himmel offen.

»Muß ich dir noch etwas sagen«, meinte sie wie bedrückt. »Es ist wohl nicht recht, daß uns all das erst nach dem Küssen einfällt. Aber du überfielst mich ja wie der Halligsturm …«

»Ja, so bin ich. Und mein Lütten war ganz verbast, und hat das Küssen erst lernen müssen …«

»Still, still!« wehrte sie ihm. »Ich will dir ja etwas sagen. Erstens hätte ich dich fragen müssen, warum du neulich von uns wegliefst? Aber ich hab so seltsam gutes Vertrauen zu dir. Du erzählst es mir schon später einmal, ja? Aber nun kommt etwas ganz Wichtiges. Sieh, du hast sicher gar nicht über nachgedacht, daß ich ganz arm bin. Nein, ich will nun ausreden. Du bist der reiche Mutterhofsbesitzer. Und ich? – Bin noch gar nicht lange angestellt in Kiel und konnte nicht viel sparen … Da muß ich noch viele Jahre Lehrerin spielen, bis ich dir eine Aussteuer zubringen kann. Wirst du auf mich warten wollen?«