»Gar nicht kommen Sie«, rief Nomine, – streckte ihm noch einmal die Hand hin und schüttelte sie herzhaft.
»Sehn Sie, das längliche Paket dort, das der andere Junge wie ein Gewehr schultert, das ist ein Tannenbaum. Tannenbaum und Heimat! Riecht das nicht gleich wie Wachslichtchen und Klaben? Mensch, Fite, Mensch, Fite«, unterbrach sie sich laut rufend. »Vorsicht, Vorsicht! Der Bengel trägt meine Bücher und Notizen und tänzelt auf dem Steg über den Priel, als wollt er mein Heiligtum im nächsten Augenblick ersäufen.«
»Ihr Heiligtum?« fragte ernst Manne Wögens. »Ich dachte, das sei die Heimat. Sind’s also doch die Bücher?«
Nomine biß sich auf die Lippen. »Keine Wortklauberei, Herr Wögens. Eins braucht ja das andere nicht auszuschließen. Um mal auf ganz etwas anderes zu kommen: Werde ich Sie Weihnachten im Mutterhof sehen? Wie früher, als Sie mit Edlef unzertrennlich waren und mich, so oft Sie konnten, verprügelten?«
»Weil Sie mit Geschick und vollendeter Tücke mir und Ihren Geschwistern das Süße aufaßen. – Den bunten Teller. Und es nie leugneten. Sondern sich mit Geschrei selbst anklagten. Aber doch nie eher, als bis Sie Leibweh hatten. Gott, was waren Sie für ein greuliches Mädchen!«
»Ich danke, Manne Wögens. Das genügt für’n Schaltjahr. Sie haben mir aber noch nicht geantwortet. Reisen Sie fort? Etwa zu Maren? Oder kommen Sie Weihnachten zu uns?«
»Es geht doch nichts über schreibfaule Leute«, meinte der Lehrer. »Sie wissen also gar nichts über die gewaltigen Ereignisse im Mutterhof und – im Schulhaus?«
»Und die wären?«
»Meine Schwester Maren ist Edlefs Braut …«
Nomine lachte glücklich. »Aber das ist ja eine Freude, eine Riesenfreude! Die feine, süße Maren! Und mein stattlicher Edlefbruder! Der hat mich sicher überraschen wollen unterm Tannenbaum. Nun, ich bin auch tüchtig überrascht. Ich dummes Ding meinte immer, die Akke Luersen …«