»Klüger seid ihr auch nicht geworden seit meinem letzten Hiersein«, hörte Manne Wögens sie sagen. »Rasch, rasch, nehmt endlich die Sachen ordentlich zusammen und dann ›auf nach Valencia!‹«
»So weit kann ich Ihnen allerdings nicht folgen, Fräulein Nomine Holgers«, lachte Manne Wögens und zog die Mütze. »Aber bis zum Mutterhof helfe ich Ihnen tragen. Wenn ich leider auch nicht klüger geworden bin seit Ihrem letzten Hiersein.«
Sie gab ihm die Hand und nickte ihm zu.
»Herr Wögens, guten Tag! Und guten Abend und guten Morgen! Sehen Sie nur, wie unsagbar dumm mich die Jungs angucken. Es sind hoffentlich nicht die Begabtesten in Ihrer Schule.«
»Wo denken Sie hin,« wehrte der Lehrer. »Mensch, Fite Groth, du stehst wohl hier als Reklameschild für die Dämlichkeit? Warum guckst du das Fräulein so an?«
»Weil – weil,« stotterte der Junge, »weil sie Onnen Holgers Swester is. De seggt immer: Oha, wenn doch einmal mien Schwester käm.«
»Jung, nun mußt du ’n Groschen haben«, rief Nomine Holgers und zog die Börse. »Das war ein schöner Willkommsspruch. Ach, Manne Wögens, am meisten von allen Menschen freu ich mich auf meinen lütten Onnen.«
Lehrer Wögens sah sie fragend an.
»Nun freilich,« lachte sie, »ich freu mich auch auf Edlef, auf die Ahne, auf Mutter, auf alle im Mutterhof, – ach, und auf die Nordsee! Auf das Segeln! Auf die Bonnestave, auf Schafe und Kühe …«
»Igittigitt, Fräulein Nomine, wann komme endlich ich dran? Damit ich sagen kann: ›Nennt man die besten Namen, so wird der meine auch genannt‹. Also – komme ich vor oder nach den Kühen und Schafen?«