»Da sind doch noch andere Leute auf der Hallig,« klagte sie, »gebildete Leute, Leute mit Herz und Gemüt. Ach, sie werden sagen: Dies Thüringer Land muß noch ganz dunkel sein, sonst könnte von dorther nicht so’n verbohrter Pfarrer kommen …«

Nun stand Pastor Licht ruhig auf, zog seine Gattin sanft aus dem Stuhl hoch und führte die Weinende fort. »Siehst du, Luischen, nun muß ich dich doch an die Luft setzen. So geht es jedesmal. Wann wirst du aufhören, mich in meiner Amtsstube zu beleidigen?«

Er schaute noch ein Weilchen schalkhaft hinter ihr drein und setzte sich dann mit wehmütigem Lächeln wieder an seinen Arbeitstisch. »So, – also da geht’s schon los«, meinte er mit grimmigem Humor, als draußen energisch geklopft wurde.

»Herein!!!«

»Herr Pastor,« sagte da Edlef Holgers, »ich weiß, es ist nicht recht, daß ich so eindringe …«

»Menschenskinder,« rief Pastor Licht, »wenn ihr doch wißt, daß es nicht recht ist, warum tut ihr’s denn nur? Na nun kommen Sie man. Närrische Kerle seid ihr alle …«

»Herr Pastor, – mein alter Freund Peder Claußen soll morgen beerdigt werden, und nun sagt man …«

»Daß ich ihn außerhalb des Mäuerchens betten will, weil er ein Selbstmörder ist. Ja, Holgers, da sagt man ganz recht.«

»Herr Pastor …!!!«

»Mein lieber Freund, ich bin nicht nur für euch junge Heißsporne hier, sondern in erster Linie für die alten Leute. Ihr Jungen holt euch mal hier, mal dort euern Trost und Halt. In die Kirche kommt ihr selten. Der Pastor ist für euch ’n notwendiges Übel oder mal ’ne ganz nette Dekoration. Ja, ja, ich weiß schon, was Sie sagen wollen. – Ich meine ja auch nicht gerade euch vom ›Mutterhof‹. Das ist ja ein rechtes und echtes Friesenhaus und Vorbild. Und ich brauche wohl kaum zu fragen: Wie stehn Ahne und Mutter zu der Sache? Und Tanten Frauke? Und Ohm Rickert? Doch sicher auf meiner Seite?«