»Luischen! – ich werde dich wohl hinauswerfen müssen, mein Liebes, du weißt, meine Predigt …«

»Ephraim, der liebe Gott schreit einem auch die Wahrheit in die Ohren, und kümmert sich den Kuckuck drum, ob grad jemand seine Predigt macht …«

»Luischen, Luischen, geh nicht mit dir selber durch. Diese Ausdrücke! Du bist doch eine Pfarrfrau! Und dieser Hochmut, Luischen! Willst du dich mit dem lieben Herrgott vergleichen?«

»Ephraim, jetzt kommst du mir vom Thema ab. Ich sag, du bist verstaubt. Und ein verstaubter Pfarrer ist wie ein Ofen, der nicht brennt, oder wie eine Mutter, die lieblos ist, oder auch wie ein blinder Spiegel. Ephraim, du heißest Licht und leuchtest nicht …«

»Potztausend, Luischen, du gehst ins Geschirr. Laß mir nur meinen ehrlichen Namen in Ruhe, der auch der deine ist. Hier kommt’s nicht auf die ›lieblose Mutter‹ oder den ›blinden Spiegel‹ oder den ›kalten Ofen‹ an. Wenn auch deine Vergleiche ganz nett sind, Luischen … du hast Phantasie, Luischen …«

»Siehst du, wie du dich verhedderst, Ephraim? Ach, ich möchte mit Menschen- und Engelszungen reden …«

»Das tust du ja, Luischen. Und hast noch die ›Liebe‹ dazu. Das ist selten beisammen. Aber hier in diesem Einzelfalle handelt es sich nicht um schöne Reden, sondern um das strenge Respektieren einer Tradition, die den Halligleuten heilig ist.«

»Sprich doch deutsch, Ephraim. Immer, wenn du nicht ganz fest im Sattel sitzst, gebrauchst du Fremdwörter. Und heilig? Wie kann Unheiliges heilig sein?«

»Luischen, nun muß ich gleich böse werden. Ich bitte dich um tausend Gotteswillen, geh hinaus.«

Da setzte sich die kleine Frau Pastorin ganz fest in den Lehnstuhl am Fenster und fing an bitterlich zu weinen.