Manne Wögens reckte seine eigene hohe Gestalt und lachte bitter.

»Ja, Nomine, – so etwas bringt die Stärksten herunter.«

Dann wandte er sich und lief denselben Weg zurück und ließ das Mädchen stehen. Und Nomine hob das Gepäck auf, das er ihr bis hierher getragen. – Sie stand und schaute angestrengt, und sah nach einer ganzen Weile, wie er mit einer schweren Last auf Armen und Schultern wuchtig und langsam der Königswarf zustrebte. Da senkte sie den Kopf tief auf die Brust und sah nichts mehr von der grünen Heimat.

Der Tod war ihr begegnet und hatte sie ernst gegrüßt. Erschüttert und müde schritt sie nach dem Mutterhof.


Pastor Ephraim Licht saß in seiner Studierstube. In seinen guten, hellen, blauen Augen spiegelte sich die ganze Predigt wider, die er am Sonntag seinen Leuten zu halten gedachte. Seine runde, springlebendige Frau quirlte um ihn herum. Sie wischte den Staub vom »Kannrückchen«, das aus der gewohnten Thüringer Waldeinsamkeit noch sehr fremd auf die brausende Nordsee hinaus schaute. Und sie beugte sich im nächsten Augenblick über eine alte »Erfurter Lade«.

Und als der geistliche Eheherr den sinnenden Blick nicht vom Deich draußen fortwandte, seufzte sie auf. Wurde ordentlich kribbelig und wischte immer rascher an den Möbeln herum und stäubte schließlich den ganzen Pastor mit dem Wedel ab.

»Ei, ei, Luischen, – das ist mir doch zu arg«, wehrte er gutmütig. »Ist denn das nötig bei mir?«

Sie bedachte sich einen Augenblick, wobei der Humor in all ihren Grübchen spielte. Dann wurde sie kriegerisch.

»Jawohl, das ist nötig, Ephraim«, trumpfte sie auf. »Über und über bist du verstaubt.«