»Dafür bin ich Schulmeister. Immer wohl vorbereitet, wie sich’s gehört.« Nur Nomine hörte die Bitterkeit aus den Worten, dem Brautpaar schien alles Scherz zu sein.

»Also, Edlef, ich verstecke dir morgen die Braut nach allen Regeln der Kunst.« So der Lehrer. »Kannst von Glück sagen, wenn du sie überhaupt findest.«

»Auf dem Oberboden, hinter der großen Truhe hocke ich«, flüsterte Maren dem Schatz errötend zu. »Komm nur rasch hinauf, es gibt Mäuse zum Bangewerden viel da oben.«

»Du Herzlieb«, raunte Edlef zurück. »Alle Stufen nehm ich auf einmal. Ach, daß du so gar nicht der Ahne zürnst ob all der Narretei.«

»Nenn’s doch nicht so«, bat sie herzlich. »Du bist doch ein Halligbursch. Ich rechne alles zu dem ›Weg‹, der zum Glücke führt. Nicht das Ziel allein, der Weg ist auch so schön.« Er sah sie selig an.

»Wenn ihr wieder auf Mutter Erde seid, wollen wir gehen«, weckte Nomine sie auf. »Komm pünktlich morgen abend zur ›Koost‹. Und bringt einen Halligmagen mit. Pudding und Saftsuppe, Schinken und Weißbrot gibt es. Auch darin will die Ahne der Neuzeit keine Zugeständnisse machen.«

»Nein,« lachte Manne Wögens, »dann wäre sie nicht die Ahne. Sie hält die Halligkost für sinniger und schöner als einen Stadtpolterabend, und ich weiß, sie wird eigenhändig für ihren Edlef dem Festschinken die Schwarte abziehen und in das weiße Fett den Namenszug des Brautpaares mit Pfefferkörnern drücken. Und ich wette, das rote Seidenband liegt bereit, um den hervorstehenden Schinkenknochen mit einer Schleife zu zieren. – Und meine Schwester Maren wird den schönsten Mastbaum vor dem Hochzeitshause finden und alle Ehren werden ihr von der Ahne widerfahren.« –

Nomine sah den Sprecher erstaunt an. »Sie sagen das alles, als wären’s besondere Taten. Warum kann ich mich für all dies Abgestandene nicht begeistern?«

»Weil Sie angekränkelt von der Stadt sind«, antwortete Manne. »Sie haben Ihre schöne Halligruhe verloren. Alles was aufhält und nicht vorwärts hastet, macht Sie nervös. Die alten Bräuche fordern Besinnlichkeit. Die haben Sie über Bord geworfen, als Sie Prinzessin wurden.«

»Sie sind ja nett drin im Dozieren, Schulmeister Wögens,« lachte Nomine gezwungen auf. »Wissen Sie auch, daß Sie bar jeder kleinen Höflichkeit gegen mich sind?«