Zwei Tage darauf blaute ein klarer Himmel, so recht der siebente Himmel, auf die Hallig nieder. Maren war schon früh aufgestanden und rieb sich die Augen. War noch ein wenig müde von dem vorhergegangenen Abend. Hin- und Rückweg waren beschwerlich gewesen bei dem Frost. Aber hell hatte der Mond geschienen und im Mutterhof war groß Freuen gewesen. Von den Nachbarwarfen hatte niemand gefehlt, ja selbst Vadder Luersen war von der Schulwarf gekommen, hatte aber nur still und bedrückt hinter seinem Glase Wein gesessen, mit Ohm Rickert zusammen. Und dieser hatte mit Kreuz- und Querfragen aus ihm herausgeholt, daß Akke eine »staatsche« Hamburger Agentenfrau sei, deren ältlicher Mann sie in Samt und Seide wickle. Akkes Mutter sei augenblicklich auch in Hamburg, um das unerhörte Glück der Tochter zu beaugenscheinigen, und deshalb habe er sich zur »Koost« freigemacht, um endlich einmal aus »all dem Lüttkinner- und Weegenkram« herauszukommen.

»Dat’s recht, Nahwer Luersen.« Und die ganze »Koostversammlung« hatte mit dem stillen Manne angestoßen. – Maren wußte längst, daß die erste Braut ihres Edlef Akke Luersen gewesen war. Aber sie sah mit so klaren Augen in die Welt, daß auch nicht der Schatten eines Mißtrauens ihr Herz beschwerte. Dem geliebten Manne all das Unbehagen des ersten Verspruches vergessen zu machen, war ihr einziger Wunsch. –

An diesem Frühmorgen ihres Hochzeitstages, da der Bruder drüben noch schlief, überdachte sie noch einmal den gestrigen Abend, dachte an den alten Tanz, den zwei Halligburschen und zwei Halligmädchen der Ahne zulieb und ihr selbst zu Ehren ausgeführt hatten. Der Vorsänger hatte dazu das »Kuckuckslied« angestimmt:

»De Kuckuck över Thore steiht, de floggt to de Goolsmaats Hus,

Herr Goolsmaats, no mag mi um en Kroonzelein.

Mags du mi en smukken Kroonzelein,

So kommst du mit to Koost.«[2]

[2]

Der Kuckuck auf dem Turme steht, der fliegt zum Goldschmieds Haus.

Herr Goldschmied, machst du mir um ein Kränzelein.