»Du mußt nicht Gedanken lesen wollen, ich finde es sehr richtig, daß du hier bleibst.«
»Und ich auch«, bestätigte Klein-Karen.
»Aber ich hätte Ahne und Mutter helfen können«, beharrte Onnen. »Nomine ist so unpraktisch. Und ich hatte mich so schrecklich auf die neue Schwester Maren gefreut, – sie ist süß.«
»Ja, siehst du, da kannst du dir nun gut vorstellen, wie einsam ich ohne ›diese Süße‹ bin. Alles hat mir der Mutterhof weggenommen,« scherzte Manne, »und du willst mich nun auch noch verlassen?«
Gleich nahm Onnen seine Hand. »Daran hatte ich kein einmal gedacht,« rief er erschrocken, »so bleibe ich gern bei Ihnen, Herr Lehrer.«
Dann aßen sie zusammen Mittag. Und es schmeckte natürlich das einfache Essen im fremden Hause tausendmal besser als die Reste des schönen Hochzeitsmahles daheim. Die Magd schmunzelte über das ganze Gesicht, so sehr freuten sie die jungen Kostgänger. Und der alte, krumme Knecht meinte: »Herr Lehrer, so wat Kinnerkram hürt hieher up de Schulwarf un int Schulhus, laten Se mi noch dat erlewen!«
Am Nachmittage wurden Schularbeiten gemacht. Karen malte mit vor Eifer glühenden Bäckchen ihre Sätze auf die Tafel. Aber der Fleiß war größer als die Begabung, die Worte standen höchst windschief auf den Linien, ja einzelne Buchstaben purzelten darüber hinweg. Der Lehrer war nicht zufrieden, und Karen zog »’ne Snut«.
»Immer noch besser als wenn Nomine schreibt«, rief Onnen mit sachverständigem Blick auf die Tafel. »Oha, wat schriwwt de für ’ne Klau’!«
»Du bist ja heut so kriegerisch gegen deine älteste Schwester«, meinte Manne Wögens. »Weil sie dich hiergelassen hat? Das bestimmte wohl die Ahne und deine Mutter. Und ihr war’t doch sonst so gute Freunde. Nomine hat mir selbst vertraut, daß sie sich am allermeisten auf dich gefreut hat.«
Onnen sah ihn unsicher an und seine Augen verdunkelten sich. »Ich mich auch auf sie«, gestand er mit zuckenden Lippen. Und dann warf er plötzlich die Arme auf den Tisch, legte den Kopf darauf und weinte heiß und jammervoll.