Manne Wögens nickte schwer. »Das kann ich mir denken. Die Ahne kennt nur entweder – oder.«

Nomine kämpfte mit den Tränen, aber sie schluckte sie herunter. »Die arme Maren!« sagte sie. »Edlef ist gleich heute früh mit dem Schiffer Erichsen nach Pellworm und weiter nach Hamburg, will überall nachforschen. – Es ist doch unsere Schwester! Hätte sie doch nur Vertrauen zu mir gehabt.«

Nomine konnte nicht weiter sprechen, die Kinder standen alle in der Schultür und warteten auf die Erlaubnis des Lehrers, fortzustürmen.

Da reichte er ihr die Hand. »Keine Sorge! Ich will Onnen und Karen betreuen wie mein Eigentum. Gehen Sie ruhig heim. Morgen frage ich nach, wie es im Mutterhof steht. –«

»Dank!« sagte sie nur und ging davon, – etwas weniger hochaufgerichtet, als die stolze Nomine sonst zu schreiten pflegte. –

»Was ist?« fragte Onnen Holgers dringlich und sah den Lehrer forschend an. Da hob dieser laut seine Stimme, daß es alle wohl hören konnten. »Deine Schwester Melenke ist krank geworden und vom Mutterhof fort.« Und als die andern Kinder mit dieser Neuigkeit fortgestürmt waren, setzte er gütig hinzu: »Darüber betrübt sich deine Sippe natürlich sehr, Onnen, mein Junge. Nun bleibt ihr heute erst einmal bei mir.«

»Oh,« – sagte Karen mit tiefem Aufjauchzen, »das ist bannig gut.« Und sie faßte vertrauensvoll seine Hand. Onnen sah versonnen aus.

»Mich dünkt, Melenke war schon lange krank«, meinte er altklug. »Ich sagte es ihr auch gestern, wie sie so wild dahertanzte. Da wurde sie böse. – Ich sei ein dummer Junge. – Aber man ist nicht immer dumm, wenn man jung ist.«

»Ganz gewiß nicht, du altes Haupt auf jungen Schultern«, lachte Manne Wögens. Und doch war ihm nicht nach Lachen zu Sinne.

»Sie meinen gewiß auch, ich hätte nach der Großwarf gehen müssen,« fuhr Onnen dringlich fort, »Sie sehen ganz so aus.«