»Was Ihr redet, Ohm Rickert!« Manne Wögens gab ihm abschiednehmend die Hand und kämpfte sich den sturmgepeitschten Weg zurück. Ein einziger Mensch begegnete ihm unterwegs, der Pastor Ephraim Licht: »Sieh da, Freund Wögens. Sie kommen, scheint’s, von der Stelle, da ich eben hinwollte. Frauke Holgers hatte mich an der Hochzeit um meinen Rat gebeten in Erbschaftsangelegenheiten. Eine herbe, seltsame Frau, aber mir und unserer alten Halligkirche eine treue Freundin. Wie geht’s dem jungen Paar? Das gibt ein paar Stammeltern, wie sie sich unser Herrgott nicht schöner aussuchen konnte, – Manne Wögens, über diese beiden freue ich mich.«

So plauderte munter der alte Herr.

»Da gibt’s jetzt nicht viel zu freuen auf dem Mutterhof, Herr Pastor.« Und der Lehrer berichtete kurz die Tatsachen.

Pastor Licht tat einen langen Pfiff. Als ginge ihm plötzlich sein eigener Name sehr hell auf. Aber seine Gedanken hatten nichts mit der heimatflüchtigen Melenke zu tun. Er drehte gleich auf der Stelle um, hing sich dem Lehrer in den Arm und marschierte mühsam wieder der Kirchwarf zu. »Sieh so, sieh so,« sagte er bedächtig, »der liebe Gott will selber die Ahne mores lehren, da braucht er freilich keinen Pastor dazu.«

Das war das einzige, was auf dem Sturmweg gesprochen wurde. Am Kreuzpunkt trennten sich die Männer, und Manne Wögens zog den Hut, während Pastor Licht sein schützendes Käppchen aufbehielt und nur herzlich mit der Hand winkte.

Der Nachmittag führte wieder alle Halligkinder auf der Schulwarf zusammen. Und weil der Sturm so arg um das Eckhaus blies und das Feuer im Ofen auslöschte, versammelte Manne Wögens all seine Trabanten im Wohnpesel um sich. Das war etwas Neues und Schönes, und zu allem erzählte der Lehrer auch noch Geschichten. Zuerst die furchtbar traurige aus dem Lesebuch »Vom verlorenen Sohn«, und dann eine sehr lustige von der Feldmaus, die eine Stadtmaus werden wollte, und deshalb auswanderte. Aber es war doch sehr merkwürdig, daß der Herr Lehrer die traurige Bibelgeschichte ganz fröhlich erzählte und bei der Feldmaus ein gar ernstes Gesicht machte. –

Am Spätnachmittag holte Nachbar Luersen die beiden Holgerskinder auf ein Vesperstündchen in sein Haus. »Damit der Herr Lehrer mal Luft holen könne vom Kindsmagdspielen«, begründete er die Sache. Ein ohrbetäubender Lärm empfing Onnen und Karen, und jeder wurde von den ungestümen Gastgebern nach einer anderen Seite gezerrt. Vier sehr ungebärdige Luersensprößlinge tobten in der kleinen Stube umher, und das fünfte schrie bis zum Wegbleiben in der morschen Wiege.

»Du büst wohl rein unklug?« tadelte Mutter Luersen ihren eigenmächtigen Mann. »Schleppst noch mehr Kinnerwark her? Kannst wohl gar nich genug kriegen?«

»Von die Luersens hab’ ich freilich schon genug,« entgegnete der geplagte Hausvater trocken, »aber die Holgersart ist bedächtig und ruhig, die wirft nix um und zerreißt nix und steckt einem auch nicht das Haus überm Kopfe an.«

»So?« eiferte zornig die Hausmutter. »Mich dünkt, die Holgersart macht’s nur umgekehrt. Oder hat der Edlef nicht etwa bei uns’ Akke den Brand angefacht? Und dann den Verschwur zerrissen und alles umgeworfen?«