»Du schnackst sehr klug, Olsch, aber was du sagst, ist doch ein Dummheit. Wir wollen lieber ganz still sein, welche Seite den Verschwur zerrissen hat.«
Die Frau weinte. »Hätte der Edlef die Akke behalten, kriegte sie jetzt keine Prügel von dem gräsigen Hamburger.«
»Steht die Sache so?« fragte Vadder Luersen bedächtig. »Es ist man gut, daß ich so bei klein von deiner Hamburger Fahrt etwas höre. Prügel kriegt mein klein Akke? Das ist gut, das ist sehr gut.«
»Schande wert!« rief Mudder Luersen. »Bist du auch ein Vater? Erst tat der städtische Herr Schwiegersohn, als wär’ ihm just so’n Draufgängerdeern das liebste. Und jeden Witz hat er belacht, daß ihn beinahe der Schlag rührte, und in Samt und Seide hat er sie eingewickelt, und in eine Wohnung hat er sie reingetan wie in ein Schloß. Aber nun ist sie seine Frau und nun soll sie klein beigeben. Dies soll sie nicht sagen und jenes soll sie nicht tun. Weil seine Stadtfreunde und Verwandten sonst ›scheniert‹ sind. Aber die Akke ist ein freies Friesenmädchen, und das läßt sie sich nicht bieten.«
»Mudder, du warst doch immer so ’n kloke Deern. Was du aber jetzt daher tühnst, das geht nich int größte Waddickfaß. Unser Stadtschwiegersohn hat den Grundsatz: ›Mannshand baben!‹ Da bin ich ihm nich gram drum. Wir beide haben das bei Klein-Akke versäumt, weil du immer neue Kinder fischen mußtest. Weißt ja, Mudder, auf dem Meeresgrund bei Ekke Nekkepenns Weib. Über all der Sorg und Mühe mit den vielen Gören haben wir die Rute vergessen. Wenn der Schwieger das jetzt nachholt, kann aus Akke noch ein Gutes werden.«
»Aber sie ist sehr unglücklich«, klagte die Frau.
»Alle Deerns sind unglücklich, wenn sie vom Liebsten Prügel kriegen«, meinte der Vater ungerührt. »Das Gute zeigt sich dann später.« –
Derweile stand im Schulhause Edlef Holgers vor dem Freunde.
»Du kommst doch immer wie Deus ex machina,« versuchte Manne zu scherzen. Und gleich darauf ernst und besorgt: »Mein armer Edlef, das hat dich hart mitgenommen. Nun setz’ dich erst einmal zu mir und ruhe dich aus.«
Edlef ließ sich schwer in den Sorgenstuhl fallen. »Schande im Mutterhof ist etwas Ungewohntes«, grollte er. »Und das muß ausgerechnet uns treffen. Der Mutterhof hat weithin geleuchtet.«