»Vielleicht ist euch das allen zu sehr zu Kopf gestiegen«, meinte der Lehrer bedächtig. »Die Selbstgerechtigkeit steht nicht unter den sieben Todsünden, aber unser Herrgott scheint sie am schwersten zu ahnden.«

»Und gerade jetzt!« murrte Edlef. »Da ich deine Maren in mein Gewese führte …«

»Um ihr zu zeigen,« sprach Manne Wögens bedeutungsvoll, »wie überwältigend die Ehre für die Schulmeisterdeern sein muß, – ist’s nicht so?«

Edlef sah ihn unsicher an. »Selbstverständlich ist’s nicht so,« sagte er hastig. »Ich war nur sehr stolz …«

Manne Wögens klopfte ihm auf die Schulter. »Das sollst du auch bleiben. Und Maren, – die wird alles Leid mit dir tragen. Die wäre dir selbst in verschuldetes Unglück gefolgt. Und was jetzt auf euch gekommen ist, darf euch nicht zerbrechen.«

»Die Ahne ist uns zerbrochen, Manne Wögens. Die Ehre des Mutterhofes war ihr Rückgrat.«

»Und alles um so ’ne verrückte, junge, wilde Deern!« zürnte Manne. »Ich bitte dich, Edlef, es werden noch viele Kinder aus dem Elternhause laufen, weil ihnen die Zucht zu streng war. Desto fester muß das Haus bleiben, damit es Obdach bietet, wenn die Abtrünnigen mit wundem Herzen und wehen Füßen zurückkehren. Kein Elternhaus kann so streng sein wie das liebe, holde Leben, die schöne Welt da draußen …«

»Das sagte mir Maren auch. Aber Trostgründe kann ich noch nicht gebrauchen. Ich schau nach den Menschen aus. Nach Spott und Nichtachtung. Was werden sie alle sagen! Die Augen wag ich kaum aufzuheben. Das ist meine unglückselige Holgersart.«

»Verrenn dich da nicht hinein, Edlef. Sieh lieber um dich, wieviel rechtschaffene Halliggesinnung das Böse mit euch tragen will.«

»Du sollst recht haben, Manne Wögens. Ich bin wohl recht ein bißchen aus den Fugen. Bedenk, daß ich aus der Brautkammer ins Segelschiff stieg … da ist mir das Gleichgewicht über Bord gegangen.«